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Ist Irren menschlich?
Autor: Jürgen Walther
Eingestellt am: 22.07.2006
Seite 3 von 3


Als ich wieder klar denken konnte, saß ich auf dem Waldboden und eine Person hielt meine Arme von hinten umklammert. Es war Roland, der mich da festhielt und immer wieder sagte: „Bleib ruhig Junge, so wird das nichts!“ Ich wusste natürlich sofort, dass mir ein Fehler unterlaufen war, der mir eigentlich nicht hätte passieren dürfen. Dennoch war die Situation noch nicht geklärt, aber ich sprach nun ruhig und gefasst auf den vor mir liegenden Mann ein und bemühte mich in kurzen und eindeutigen Worten und Gesten die Situation zu erklären. Dies bewirkte, dass er seinen Widerstand aufgab und in gebrochenem Deutsch auf seine Beinverletzung hinwies.
Roland und ich halfen dem Mann vorsichtig auf das gesunde Bein und ich konnte seinen stark geschwollenen Knöchel sehen. Bei der anschließenden Durchsuchung fand ich einen irakischen Ausweis: nichts da mit tschechischem Schleuser. Ein verletzter Iraker hatte sich vermutlich gemeinsam mit den Schwarzafrikanern auf den Weg ins „gelobte Land“ gemacht, der wirkliche Schleuser war wieder mal getürmt, wie Roland nach kurzem Blick auf eine weiterführende Spur feststellte. Ich muss zugeben, dass ich mich in diesem Moment elend fühlte, ich hatte mich dem Mann gegenüber völlig unangemessen verhalten! Meinen roten Kopf verbarg Gott sei Dank der Wald.
Roland und ich beschlossen, die vorläufig festgenommenen vier Personen zur Dienststelle zu bringen, Roland die gefesselten Schwarzafrikaner und ich den Iraker. Ich musste ihn stützen und hängte mir seinen Arm um den Hals, eine Hand fest an seiner Hüfte. Der Widerstand hatte wohl seine letzten Kräfte gekostet und wir kamen nur sehr langsam voran. Funkverbindung gab es in dieser gebirgigen Gegend nicht, wir mussten selbst sehen, wie wir am besten klar kamen. Schon nach kurzer Strecke war ich fix und fertig, obwohl der Iraker sicherlich maximal 55 kg wog, doch sein ständig gestammeltes „Danke, danke!“ gab mir letztlich die Kraft, ihn auch tatsächlich bis zu Dienstelle zu schleppen.
Der sofort hinzugezogene Notarzt stellte bei dem Iraker einen gebrochenen Knöchel fest. Die erste Vernehmung der drei Schwarzafrikaner durch einen Dolmetscher, brachte dann auch etwas Licht ins Dunkel. Nach ihren Aussagen waren sie in der zurückliegenden Nacht von einem tschechischen Schleuser aus Tschechien nach Deutschland geführt worden. Unterwegs war der Iraker in der Dunkelheit über ein Hindernis im Wald gefallen, hatte sich den Fuß verletzt und war liegen geblieben. Daraufhin wollte der Schleuser den Iraker im Walde zurücklassen und die drei Schwarzafrikaner weiterführen. Diese weigerten sich jedoch und blieben bei ihrem verletzten Kameraden bis wir sie in den Vormittagstunden fanden.
Mit Roland habe ich in den vielen Jahren die seit dem vergangen sind, niemals über diese Geschichte gesprochen, es ist uns wohl beiden peinlich – besonders aber mir. Ich bin ihm im Nachhinein sehr dankbar, dass er hat damals nicht weggesehen, sondern gehandelt und mich einen kurzen Moment meines Lebens vor mir selbst geschützt und dafür gesorgt hat, dass Irren nicht „unmenschlich“ wird.


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