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Polizei
Demokratie
Autor: Jürgen Walther
Eingestellt am: 22.07.2006
Seite 4 von 5

Rein in die Uniform, immer noch die alte, nur an der Mütze gab es eine Veränderung und mit Demokratie hatte das wohl auch nicht viel zu tun, was ich dann im Grenzschutz Ost, einer neu geschaffenen Grenzpolizei unter dem damaligen Innenminister Peter Michael Diestel, erlebte. Wie sollte das auch gehen, waren doch die Leute durchweg die „alten“ geblieben. Meine Kameraden hatten mich zum Soldatenratssprecher gewählt und ich nahm an den ersten Beratungen in Berlin teil. Das war Revolution pur. Wir versuchten, ein Gegenstück zu der nach wie vor existierenden Allmacht unserer polizeilichen Führung zu installieren.
Gleichzeitig kümmerte ich mich noch um sechs herrenlose Diensthunde. Ihre Führer waren inzwischen in neuen Verwendungen und kontrollierten täglich neun Stunden PKW, da war für Diensthunde kein Platz. Es waren schöne und leistungsfähige Tiere, ein Rottweiler und fünf Schäferhunde, die Fährtenhündin „Espe“ mein besonderer Liebling. Selbst Urlaub konnte ich nicht machen, die Hunde mussten beschäftigt werden.
Plötzlich erhielten wir Unterstützung aus den alten Bundesländern. Junge, flexible Beamte des Bundesgrenzschutzes kamen als Berater und sagten, wir müssten zuerst mal Demokratie lernen. Jetzt ging alles rasend schnell und das Fernsehen zeigte, wie meine Landsleute auf den friedlichen Montagsdemonstrationen DDR-Fahnen verbrannten. Überall waren schwarz-rot-goldene Fahnen zu sehen mit herausgeschnittenem Emblem – das war nun wirklich das politische Ende des zaghaften Anfangs.
„Wiedervereinigung“ nannte sich das Ganze und Helmut, der Riese aus dem Westen, versprach, er werde unsere Landschaften zum Blühen bringen. Aus den BGS-Beratern wurden nun auf einmal Vorgesetzte und sie sagten mir, zuerst sei es notwendig, die Demokratie zu begreifen. Ich begriff allerdings nicht, weshalb zu diesem Zweck fünf der sechs Diensthunde durch einen Tierarzt getötet werden mussten. Nur Espe überlebte, weil ich sie mit nach Hause nahm. Was sollten wir auch als Grenzpolizei mit Hunden? „Die braucht ihr in einer demokratischen Polizei nicht“, sagten meine neuen Vorgesetzten. Unser Dienst spielte sich dann auch fast ausschließlich am Grenzübergang ab, ich kontrollierte jetzt täglich PKW und deren Insassen.
Die Demokratie hielt schließlich in der Person Joachim Gaucks Einzug. Er leitete die Behörde, die fortan entscheiden würde, wer gut und wer böse war. Viele meiner Kollegen waren böse, die mussten gehen, ich war gut, ich konnte bleiben. Gut war ich, weil der Joachim Gauck nichts Belastendes gegen mich gefunden hatte und selbst darauf konnte ich nicht einmal stolz sein. Meiner lieben Mutter, einer schlesischen Flüchtlingsfrau, hatte ich das zu verdanken. Sie lernte 1945 auf der Flucht hier in Sachsen meinen Vater kennen und blieb im Osten, ihre acht Geschwister trieb die Flucht weiter in den Westen. Ich hatte also einen Onkel und sieben Tanten im Westen und war damit auf Lebenszeit uninteressant für die Staatssicherheit gewesen, das war jetzt mein Glück - ich war sauber - Hurra!


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