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Polizei
Doppeltes Spiel eines Bankräubers
Autor: Bernd Komossa
Eingestellt am: 13.07.2006
Wieder einmal wurde ich als Sozialpädagoge der Polizei zu einem Fall gerufen, der eine Familie von außerhalb der Polizei betraf.
Eine gut bekannte Beamtin der Kripo aus der Abteilung K5 rief mich an und bat um sozialpädagogische Unterstützung einer Frau und derer zwei Töchter, die für eine Zeugenvernehmung bei ihr sitzen. Ich kam in das Vernehmungszimmer und fand neben der Kollegin drei aufgelöste Frauen vor, die sich gegenseitig zu trösten versuchten. Die Mutter war um die 40 Jahre alt, die Töchter 19 und 21.
Nach meiner Vorstellung als Sozialpädagoge des Hauses sprudelte die Mutter gleich los und fragte mich etwas unvorbereitet, ob sie sich von ihrem Mann trennen soll. Die jüngere Tochter ergänzte daraufhin, dass es um ihren Vater gehe, den sie aber immer noch liebe. Die ältere Tochter fiel ein, dass sie froh sei bereits ihre eigene Wohnung zu haben.
Ich unterbrach den Redefluss der Familie fürsorglich und bat meine Kollegin um einen kurzen Bericht, um was es überhaupt gehe. Daraufhin war die Mutter der Familie ganz erstaunt und warf ein, sie hätte geglaubt innerhalb des Präsidiums wissen bereits alle über ihre Situation Bescheid. Die jüngere Tochter, bereits etwas beruhigter, unterbrach Mutter und ältere Schwester und ließ meine Kollegin zu Wort kommen.
Die komplette Familie zog vor etwa einem Jahr aus dem Osten der Republik nach Süddeutschland. Der Vater, ein arbeitsloser Akademiker, erhoffte sich hier einen beruflichen Neuanfang, der aber nicht eintraf. Man hatte noch Erspartes, um ein kleines Haus zu mieten und einen gebrauchten BMW zu fahren. Trotz Arbeitslosigkeit musste der Lebensstandard nicht gravierend eingeschränkt werden, da die Mutter halbtags Arbeit fand. Der Vater fand Arbeit in der Landeshauptstadt.
Einen Tag vor diesem gemeinsamen Gespräch, wurde der Vater in einer Bankfiliale überwältigt und festgenommen, als er mit einem Benzinkanister und Feuerzeug Kunden und Bankangestellte bedrohte, um an das Geld der Bank zu kommen.
Nun wurde mir einiges klar, und ich begriff die Betroffenheit der Frauen. Ihr Ehemann und Vater versuchte fälschlicherweise die Familie mit einem Banküberfall aus dem finanziellen Ruin zu retten. Als ich einen verbalen Vorstoß in diese Richtung losschickte, um auch einmal etwas zu sagen, kam ein hysterisches dreifaches Nein aus ihren Kehlen. Meine Kollegin setzte die Geschichte fort.
Bei der Vernehmung des verhinderten Bankräubers gestand dieser, eine Frau in der Landeshauptstadt kennen und lieben gelernt zu haben, mit der er dort einen Hausstand gegründet hat. Diese wusste nicht, dass er bereits eine Familie hat. Ehefrau und Töchter waren kurz vor meinem Eintreffen mit dieser Tatsache der „Zweitfrau“ konfrontiert worden.
Nun ist mir der Begriff der „Bigamie“ nicht unbekannt, aber ich benötigte ein Glas Wasser, da ich nun begriff, welche Anforderungen in meiner Funktion jetzt unter Umständen benötigt wurden.

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