Kopf
Home
Idee & Ziel
Schreib einfach!
Die Texte
Die Autoren
Verein
Buchprojekte
Shop
Presse
Termine
News
Blog
Links
Gästebuch
häufige Fragen (FAQ)
Kontakt
Newsletter
Polizei-Poeten Logo
Polizei
Dynamik der Zwänge
Autor: Bernd Komossa
Eingestellt am: 14.07.2006
Als 46 jähriger Sozialpädagoge bin ich bei der Polizei im eigentlichen Sinne für die Beschäftigten zuständig. In der Krisen- und Suizidprävention, bei erheblichen Problemen unter allen Polizeibeschäftigten und auch in der sozialen Lebensberatung, die sich anfangs schwer aber nunmehr einer hohen Akzeptanz erfreut.
Manchmal bleibt es aber auch nicht aus, dass „richtige Polizeibeamte“, speziell Vorgesetzte, den polizeilichen Sozialarbeiter um Unterstützung von Kundenproblematik von außerhalb anfragen.
So trat ein Dienststellenleiter einer größeren Innenstadtinspektion an mich heran und erzählte mir von einer allein stehenden Frau, die seit mehr als fünf Jahren die Dienststelle mit anonymen Anrufen, zum Teil 20 mal täglich, über Jahre hinweg mit diesen stillen Telefonaten belästigt. Alle Kolleginnen und Kollegen sind bereits stark belastet. Man greift sie öfters mal auf, nimmt eine Personenüberprüfung vor und kann ihr nur in den seltenen Fällen etwas nachweisen. Auch freundliche Gespräche bei Kaffee und Zigarette hätten zu nichts geführt. In der Stadt ist sie bekannt, hat zwar einen festen Wohnsitz, treibt sich aber im Drogenmilieu vor dem Bahnhof herum. Sie selbst ist ca. 45 Jahre alt und keine Drogenkonsumentin. Ihre gerichtlich verhängten Geldstrafen belaufen sich mittlerweile schon auf ein paar tausend Euro.
Ich nehme den Auftrag mit ihr einmal zu reden an und ernte unter den Kollegen Gelächter, da sie dann eine neue dienstliche Nummer zur Polizei hat. Ich treffe sie in einem vorher ausgemachten Cafe am Bahnhof und sie bietet mir das „Du“ an, dass ich akzeptiere. Ich möchte sie für diese Geschichte Hedwig nennen.
Hedwig und meine Person beschnuppern uns. Sie weiß, ich bin von der Polizei, aber dass ich Sozialarbeiter bin, hat sie bewogen mich kennen lernen zu wollen. Sie ist anfangs misstrauisch und raucht Kette. Gestopfte Zigaretten, die mir Tränen in die Augen treiben. Ich bitte sie wenigstens in diesem Cafe nicht so viel zu rauchen und sie kommt dieser Bitte nach, entschuldigt sich sogar.
Sie fragt mich genauestens aus, für was ich bei der Polizei zuständig bin. Ich gebe bereitwillig Auskunft. Auch weswegen ich den Kontakt zu ihr suche. Sie wusste sofort welcher Dienststellenleiter es war und kann alle Gendarmen in dieser Inspektion sofort mit Vornamen benennen. Diese Vornamen verbindet sie sogleich mit der Bemerkung, „der ist in Ordnung,...der ist ein A...“
Ich frage sie nach ihrem ersten Erlebnis mit der Polizei und bin überrascht, dass dieses positiv war. Sie ist in einem Waisenhaus aufgewachsen – die Mutter war Trinkerin-, und muss dort öfter einen uniformierten Polizisten gesehen haben, der sich freundlich mit den Kindern und mit ihr unterhielt. Später hat sie sich für ihre Freunde am Bahnhof eingesetzt, wenn die Polizei kam und es wurde dann und wann auch schon manchmal handgreiflich wurde.
Nachdem ich ihr angeboten habe, zwischen ihr und der Polizei zu vermitteln, damit sie im Wiederholungsfall nicht in das Gefängnis muss, fragt sie mich, was sie dafür tun müsse.


   1  2   weiter
(5958)
Share in Facebook

* Aktuelles * (21.11.2017)
News:

Neue Texte:
Himmelfahrtskommando (T. Knackstedt)

Neue Autoren:

"Ich entschloß mich von dem Standpunkt meiner eigenen Erfahrungen zu schreiben, von dem was ich wusste und was ich fühlte. Und das war meine Rettung...

... Was ist Original? Alles was wir tun, alles was wir Denken existiert bereits und wir sind nur Vermittler. Das ist alles. Wir machen von dem Gebrauch was bereits in der Luft ist."
Henry Miller, aus einem Interview in den 60-iger Jahren
Newsletter
Zum Bestellen unseres Newsletters senden Sie bitte eine eMail an:
info@polizei-poeten.de

Home   Idee & Ziel   Schreib einfach!   Die Texte   Die Autoren   Verein   Buchprojekte   Shop   Presse   Termine   News   Blog   Links   Gästebuch   häufige Fragen (FAQ)   Kontakt   Newsletter   
Impressum & Datenschutz    eMail an uns

©2002..2017, POLIZEI-POETEN, Volker Uhl, Robinienweg 6, D-79189 Bad Krozingen
Besucher (seit 1.9.2002):
counter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conception


gestaltet von: Web-Conception Internet Service   www.web-conception.de