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Polizei
Dynamik der Zwänge
Autor: Bernd Komossa
Eingestellt am: 14.07.2006
Seite 2 von 2

„Nicht mehr die Polizei anrufen und das für lange, lange Zeit“, ist meine einzige Bedingung. Wir wollten uns weiterhin treffen und schauen wie weit man kommt, so ähnlich war unsere Zielvereinbarung.
Hedwig berichtete von „erzieherischen Maßnahmen“, die ihr einige Streifen angeblich zugefügt hätten, wenn man sie aufgriff. Danach hätte sie erst recht von verschiedenen Telefonzellen aus die Inspektion mit anonymen Anrufen attackiert. Ich wusste von einem Eingangsverbindungsnachweis der Dienststelle, dass an einem Tag einmal 68 solcher Anrufe in der Dienststelle eingingen. Hierfür muss man ganz schön Energie aufbringen oder Zorn verspüren, resümierte ich und fragte sie, was sie animiert, sich permanent mit der Polizei anzulegen.
An ihrem Schlüsselbund hatte sie einen Anhänger der Gewerkschaft der Polizei und an einem Tag trug sie ein T-Shirt mit FBI Aufdruck. Es schien einfach. ich konfrontierte sie mit meiner Vermutung, dass sie gerne Polizistin geworden wäre. Sie bejahte und in einem Atemzug beschrieb sie mir ihre Lieblingskrimis im Fernsehen und was sie an ihrem Traumberuf spannend fände.
Ich als Sozialarbeiter stand immerhin auf Platz 2 ihrer Traumberufe. Doch ihre schlechten Bedingungen in der Kindheit und ein abgebrochener Hauptschulabschluss hätten ihr die Chancen auf ihre Traumberufe verdorben.
Wir trafen uns für das nächste halbe Jahr einmal pro Monat und sie rief dafür nicht mehr die Polizei an. Sie hielt sich an die Vereinbarung. Nur von ihrem Scanner mit dem sie täglich den Polizeifunk abhörte, von dem wollte sie sich nicht trennen. Wir hatten sogar einen Verhaltenstherapeuten für sie gefunden und Termine hierfür vereinbart. Als sie sogar noch eine Arbeitsstelle als Montagearbeiterin gefunden hatte, schien mein sozialtherapeutisches Glück schon fast perfekt zu sein.
Sie hatte bereits zwei hohe Geldstrafen mit Bewährungsauflage für ihre telefonischen Belästigungen der Polizei bekommen. Mit drei Raten war sie im Verzug, als ein Bescheid für ihren Haftantritt in die JVA kam. Für eineinhalb Jahre sollte sie einwandern. In Absprache mit dem Dienststellenleiter der besagten Polizeiinspektion versuchten wir beim Staatsanwalt zu intervenieren, mit der Begründung polizeiintern eine günstige Sozialprognose für sie bereits begonnen zu haben. Es nützte nichts. Hedwig war aufgelöst. Sie verlor die Arbeit und meldete sich in der JVA.
Eine Woche danach rief sie mich aus dem Gefängnis heraus an und bat mich dringend zu kommen. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dieses Anliegen ihr gegenüber abgelehnt zu haben. Für mich war der Fall „Hedwig“ gescheitert. Gescheitert durch höhere Gewalt. Sie schrieb mir noch einen Brief, in dem sie sich bedankte. Den verantwortlichen Staatsanwalt werde sie anrufen, wenn sie wieder draußen ist, teilte sie mir darin mit.
Momentan müsste der Zeitpunkt ihrer Entlassung gekommen sein. Ich ertappe mich bei jedem Anruf von außerhalb, dass ich denke, jetzt wird sich Hedwig an mir rächen und mich telefonisch schikanieren. Ich bekomme diesen Gedanken nicht los und hoffe, es entsteht kein Zwang daraus. Hätte ich sie in der JVA zumindest einmal aufgesucht, wäre es vorher geklärt gewesen und ich könnte freier meinen dienstlichen Telefonapparat betrachten.


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