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Bis dass der Tod uns scheidet
Autor: Thomas Angerer
Eingestellt am: 01.07.2006
„Blinded By The Light“ kam aus dem Radio unseres Funkwagens. Es war ein ungewöhnlich ruhiger Freitag Nachmittag gewesen, sogar für den ohnehin recht ruhigen Bezirk, in dem ich seit 2 ½ Jahren Dienst machte. Es war der 19. Oktober 2000. Der Vorabend zur Hochzeit meines Bruders, die erste Diensttour nach einem zweiwöchigen Griechenland-Urlaub.
Ich hatte noch einiges vor an diesem Abend. Zuerst mit meinem Partner, der später auch mein Trauzeuge wurde, ein gemütliches Bier trinken und dann daheim noch das Geschenk für meinen Bruder vorbereiten. Die Glückwunschkarte wollte ich auch selbst machen… ist ja persönlicher!
„Richard 2“ wurde in eine der nobelsten Ecken unseres Bezirkes gerufen. Der Aufforderer war irritiert von einem komischen Geruch, den er von seinem Balkon aus bemerkte.
Schwach aber doch bemerkten wir diesen Geruch auch im Stiegenhaus. Aber, das kann doch keine Leiche sein. Ich hatte ja schon einige davon – einmal sogar ein paar in Serie, dass die Kollegen meinten, man kann mit mir nicht ausfahren, weil da ist immer eine Leiche im Spiel. Ich sei ein „Totenvogel“! Nun, als „alte Hasen“, die zusammen gerade einmal 8 Dienstjahre hatten, sagte ich zu mir: „Das ist bestimmt keine Leiche.“
Es kann ja nicht sein, was nicht sein darf. Ich hatte ja noch einiges vor an diesem Abend.
Während des Wartens auf die Feuerwehr, die uns die Wohnung öffnen sollte, aus der vermutlich der Geruch kam, erzählte uns der Anrufer aus dem Leben des Wohnungsbesitzers. Ein netter Herr um die siebzig. Hochintelligent, war früher Chemiker. Er hat ihn bestimmt seit einer Woche nicht gesehen, aber man denkt sich nichts dabei. Schließlich hat der Mann Geld, bestimmt ist er verreist und hat nur vergessen den Bio-Müll hinaus zu tragen. Obwohl, seit seine Frau vor zwei Jahren gestorben ist, hat er sich schon sehr zurückgezogen…
Die Feuerwehr erledigte ihre Arbeit gewohnt zuverlässig, nicht ohne den gewohnten Humor und voila, waren wir drinnen.
Der Geruch machte uns fast sicher. Der Zeitungsständer im Vorzimmer gab uns die Gewissheit. Er stand vor dem Eingang in das Wohnzimmer mit einem Zettel drauf: „Nur Profis weitergehen, Leichenanblick ist nicht schön!“
Ein Satz, der sich in meinem Gehirn festgesetzt hat.
Wir gingen weiter. Schließlich waren wir ja Profis, oder? Von da an bin ich die Wohnung schon mehrfach durchwandert, wie im Film, wenn der Kameramann aus der Handkamera filmt. Wie im Film „Dancer In The Dark“. Wir gingen auf den Balkon. Er hat sich das schön ausgedacht. Schlaftabletten und ein Plastiksack über dem Kopf. Die Hände hielten noch die Schnur, mit der er den Sack zugezogen hat. So lag er friedlich auf der Bank am Balkon, wo er mit seiner Frau wohl einige Gläschen in trauter Zweisamkeit genossen hat.
Der Rest sollte wohl Routine sein. War es aber nicht. Sonst würde ich nicht heute noch regelmäßig daran denken. Im Wohnzimmer war beim Fernseher der Antennenstecker gezogen, damit der Blitz nicht einfährt. Die Fernbedienungen in Reih’ und Glied. Parallel zueinander, im rechten Winkel zum Fernseher.
In der Küche war der Kühlschrank geleert, abgetaut und gereinigt. Am Küchentisch war alles vorbereitet:
Ein Stapel Briefe, ausreichend frankiert, mit einem Post-it „Bitte zur Post bringen!“

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