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Lebensmotto
Autor: Thomas Angerer
Eingestellt am: 02.07.2006
Seite 2 von 3

Wir gönnten uns sogar ein Wochenende in Prag, wo ein richtiger, romantischer, offizieller Heiratsantrag folgte.
Die Nerven waren wieder beruhigt und ich war „born to run“; voll auf Linie meines Lebensmottos!
„Er hat Ihnen den Stempel gegeben. Glückwunsch, sie fliegen!“, so der Kommentar der Sekretärin des Chefarztes. Wie man auf gut wienerisch sagt: „Hätte ich keine Ohren, dann würde ich im Kreis lachen.“ Ich konnte meine Vorfreude kaum zügeln.
Im Inneren meiner frischgebackenen Ehefrau sah es aber anders aus: Immer öfter weinte Flou vor dem Einschlafen. Sie wollte nicht, dass ich es höre. Schließlich gönne sie mir mein Abenteuer. Aber so ein Jahr, ohne mich. Viele Leute kennt sie ja noch nicht in Wien. Sie ist erst vor einem Jahr hergezogen. Ich versuchte zu trösten, schließlich könne ich ja regelmäßig heimkommen. Und so ein Jahr ist Ruck-Zuck um. Und ein Teil des Geldes von der Mission wird reserviert, damit wir richtig groß kirchlich heiraten können!
So richtig teilen, konnte sie meine Freude aber nicht mehr.
Eine Woche vor dem Abflug besuchte ich meine Eltern und verabschiedete mich.
„Ja ja, ich werd’ schon auf mich aufpassen.“
Meine Oma schenkte mir ein kleines Fläschchen Weihwasser. Warum um alles in der Welt ich „zu den Wilden da unten“ fahren würde, verstand sie noch immer nicht. Ihr zu erklären, dass ich innerlich nicht nur einen Drang, sondern einen Zwang zum Gehen verspürte, würde sie nie verstehen.
Vier Tage vor dem Abflug war noch eine kleine Party geplant. Am Morgen dieses heißen Juli-Tages platzt die Bombe. Mein Handy läutete. Es war Roland, mein Kumpel aus dem UNO-Vorbereitungskurs:
„Du, ich hab’ heute die endgültige Liste für den Flug bekommen. Du bist nicht drauf!“
Ich musste mich setzen. Ich verstand gar nichts. Er las mir noch einmal die Namen vor. Vielleicht stand ich ja auf der zweiten Seite und er hatte nur die Erste als Fax bekommen.
Nein, versicherte er mir, er hat den ganzen Marschbefehl gelesen. Ich war nicht drauf!
Rasch rief ich im Ministerium an. Das wird sich ja klären lassen. Schnoddrig die Antwort vom so genannten „Kollegen“:
„Wir haben unsere Gründe, dass Du nicht fliegst, aber die kann ich nicht sagen. Der, der sie Dir sagen darf, ist aber heute nicht da! Ruf’ morgen noch einmal an.“
Hatte ich mir irgendwo ein Disziplinarverfahren eingehandelt, von dem ich noch nichts wusste? Eigentlich hätte ich ins Telefon brüllen müssen: „Hey, ich muss fliegen. Ich muss. Weißt Du denn nicht, dass ich ein „Tramp“ bin? Ich muss fliegen!“
Mein Magen krampfte sich zusammen, das Leben ging weiter. In der Wohnung war noch viel Arbeit und wir mussten zum Baumarkt fahren. In mir noch immer das Gefühl, als hätte mich Roland via Handy mit einem Magen-Darm-Virus angesteckt.
Beim Baumarkt trafen wir einen Kollegen am Parkplatz. Personalvertreter. Auf die Frage, ob ich noch nicht weg sei, erzählte ich meine Geschichte. Er sicherte mir zu, sich darum zu kümmern.
Die Erklärung war schließlich einfach, dass ich mich fragte, ob das wirklich so ein Geheimnis sein musste; Budget-Kürzung, Kontingent-Verkleinerung. Ende.
Ich tröstete mich. Mein Leben hatte sich sowieso verändert. Als ich mich beworben hatte, kannte ich Flou noch nicht einmal und meiner Oma hätte das Ministerium sowieso keinen größeren Gefallen tun können. Ihr Zitat: „Meine Gebete wurden erhört. Jeden Tag habe ich gebetet!“

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