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Lebensmotto
Autor: Thomas Angerer
Eingestellt am: 02.07.2006
Früher war mein Lebensmotto „’Cause tramps like us, baby, we were born to run“ aus der Feder von Bruce Springsteen.
Ich war getrieben von Fernweh, Abenteuerlust, der Suche nach Freiheit und gleichzeitig von der Suche nach Zweisamkeit. Ein Lied, geschrieben für mich. Mich, den Rucksacktouristen, der mit Piratenkopftuch und Fotoapparat, immer aus der gewohnten Umgebung ausbrechen musste.
Es war für keinen der mich kannte, mit Ausnahme meiner Großmutter, verwunderlich, dass ich mich für eine UN-Mission beworben habe. Ein Traum– bestärkt durch meinen Onkel, der für das österreichische Militär mehrmals den blauen Helm der Vereinten Nationen aufsetzte.
Im Nachhinein könnte man meinen, dass mein Wunsch, ein Jahr lang in einer ganz anderen Umgebung Dienst zu machen, von Beginn an unter keinem guten Stern stand. Fast hätten nämlich die Kollegen von der Abteilungskanzlei, unserem Personalbüro, die Einladung zur Englisch-Prüfung verschlampt. Knapp erwischte ich den Termin und bestand. Meinem Ziel war ich einen Schritt näher.
Beim Bewerbungsgespräch mit den Kollegen, die für die UNO schon im Ausland waren, merkte ich, dass die Kerle aus dem gleichen Holz geschnitzt sind wie ich; „born to run“.
Das gleiche Gefühl hatte ich beim zweiwöchigen Vorbereitungskurs. Es kribbelte in meinem Bauch. Wann geht’s endlich los?
Als gelernter Beamter wusste ich, dass alles seine Zeit braucht.
„Ruhig, Brauner!“ wie mein Funkwagen-Partner immer sagte, wenn meine Motivation mit mir durchging. Also wartete ich.
Mittlerweile lernte ich Flou kennen. Eine Frau für’s Leben. Meine Frau für’s Leben! Sie ist auch „born to run“, verbrachte als Schülerin einige Zeit im Ausland, war ständig auf Achse. Sie versteht mich. Wir verstehen uns.
„Wäre ich bei der Polizei, dann würd’ ich es auch machen!“ bestärkte sie mich immer wieder.
Nur meine Oma wollte immer wissen, was ich „da unten bei den Wilden“ will. Erklärungen zwecklos.
Trotzdem hieß es warten. Jetzt eben gemeinsam.
Und just in der Zeit, in der wir schon fast vergessen hatten, dass ich eigentlich los wollte, läutete das Telefon:
„Du fliegst!“ Kurz und prägnant wurde ich vom Kollegen aus dem Innenministerium an meinen alten Traum erinnert. Wenn ich möchte und den medizinischen Check bestehe, könne ich in drei Monaten auf Mission gehen.
Es folgte eine durchwachte Nacht. Ich hatte ohnehin Überstunden. Viel Zeit um nachzudenken. Viel Zeit, um die Telefonleitungen nach Hause glühen zu lassen. Warum erst jetzt oder warum ausgerechnet jetzt? Jetzt, wo wir eine neue Wohnung kriegen sollten, wo viel Renovierungsarbeit auf uns wartete.
Der nächste Tag ist Familiengeschichte. Ein Gespräch mit Flou nach dem Nachtdienst. Was, wenn mir dort etwas passiert. Wir bekommen Schiss.
Es folgte ein Heiratsantrag, wie er unromantischer nicht hätte sein können. Bekleidet mit Boxershorts und T-Shirt und mit Ringen unter den Augen von einer Nacht ohne Schlaf.
Wir bestellten das Aufgebot und einigten uns, wie wir die Sache mit der Wohnung vor dem Abflug unter Dach und Fach kriegen. Renovieren was das Zeug hält und was nicht fertig wird, muss halt bis zum ersten Heimaturlaub warten.

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