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Polizei
Schutzanzug
Autor: Peter Rieger
Eingestellt am: 15.06.2006
Vor langer Zeit fuhr ich in der Heiligen Nacht mit einem Kollegen durch die Stadt, in den Fenstern sah man die Christbäume, auf der Straße war niemand. Irgendwann sahen wir doch einen Mann, der sich an einem Gartenzaun festhielt und zur Stabilisierung seiner Standposition denselben immer wieder in seine Richtung zu ziehen versuchte. Wir schauten dem Mann eine Weile zu und sprachen ihn dann an. Es stellte sich heraus, dass er einen Spaziergang gemacht hatte, weil er des Weihnachtstrubels daheim überdrüssig war und etwas Ruhe brauchte. In der Stadt war er bösen Mächten in die Hände gefallen, die ihm fürchterliche Flüssigkeiten verabreichten, was ihn letztendlich dazu brachte, am Zaun Halt zu suchen. Wir boten ihm an, ihn heimzufahren, was er mit einem energischen „Oh Jemmineh“ quittierte. Schon dieser Ausspruch erweckte in uns Mitleid mit unserem Artgenossen und so nahmen wir ihn mit in unser Büro und setzten ihn neben die Heizung, wo er dann glücklich auf einem Springerle herumnullte, mit denen uns unsere Frauen großzügig für diesen Nachtdienst eingedeckt hatten. Irgendwann mussten wir aber unseren Gast doch wieder loswerden, Taxigeld hatte er keines, wir konnten ihn nicht fahren – und so riefen wir seine Frau an, die in Begleitung der erwachsenen Tochter mit der Familienkutsche anrückte. Wir begleiteten den Delinquenten zum Ausgang, er zog immer mehr das Genick ein, wir wussten jetzt auch, warum er uns so sehr darum gebeten hatte, noch eine Weile bleiben zu dürfen – die Nacht verlor für ihn nun endgültig ihre Heiligkeit. Nachdem der Ärmste den verbalen Erstschlag verdaut hatte, wandte sich die Gattin an uns, meinte, wir würden sie allen Ernstes bei der Maßregelung unterstützen. Sie wollte uns als leuchtende Beispiele präsentieren, Vorbilder für ihren anscheinend ach-so-missratenen Ehemann, sah in uns die reinsten und edelsten Vertreter der Gattung Mann, die in ihrem grünen Gewande nur bestätigen sollten, was sie der geknechteten Kreatur vorhielt.
„Am Heiligen Abend haut der ab, das würden Sie doch sicher nicht tun, oder?“ Sie blickte mich argwöhnisch an und provozierte mein scheinheiliges Kopfschütteln (würde ich nie im Leben tun, könnte gar nie passieren, weil wir uns sowieso nur flüchtig kennengelernt hätten...). Der inzwischen wieder teilerklarte Delinquent wurde nun wieder wie ein geprügelter Hund vom Abholkommando in den Schoß seiner Familie zurückgeführt. Im Gehen murmelte er zwar seinen Dank, sein Blick sagte aber „elender Verräter“.
Als ich mit meinem Kollegen weiter Streife fuhr, meinte der: „ I glaub, bei deam Weib hett mir so ebbes ähnlichs au bassiera kenna“. Wir haben unseren Artgenossen noch die ganze Nacht bedauert und uns mit ihm solidarisch gefühlt, was soll man machen, wir sind auch nur Männer, halt dasselbe in grün...



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