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Wir waren Helden
Autor: Ulrich Hinse
Eingestellt am: 24.04.2006
Seite 2 von 3

Niemand wusste in der Zwischenzeit, wo wir waren. Wir hatten nämlich kein Handy.
Wir bekamen gegen alles Mögliche übelschmeckenden Lebertran zu trinken und ekelhaft riechende essigsaure Tonerde auf verstauchte Knöchel, wenn wir wieder mal in den Fahrradspeichen hängen geblieben waren, weil es noch keinen Speichenschutz gab. Wir haben uns geschnitten und brachen uns Knochen und Zähne. Keiner fragte nach Aufsichtspflicht oder gar Produkthaftpflicht. Niemand wurde deswegen verklagt. Wenn etwas passiert war, hatte niemand Schuld außer uns selbst. Auf Spielplätzen und Schulplatzecken wurde die Hackordnung ausgekämpft und gelegentlich schlugen oder traten wir uns dabei grün und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte die Erwachsenen nicht besonders. Allerdings gab es weder Waffen noch Messer, sondern nur Fäuste und Füße. Wir aßen Kekse, Drops, Karamellen, Buttercremetorte und kalte Hundeschnauze, schütteten ganz viel süße Brause in uns hinein und wurden trotzdem nicht zu dick. Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb daran.
Wir hatten keine Playstation, kein Nintendo, keine X-Box, weder eigene Fernseher, Video- und DVD-Recorder, noch Computer, Internet und Chatrooms, Telefon und Handy. Aber wir hatten ganz viele Freunde!!! Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir gingen einfach zu denen nach Hause, wo wir meistens nicht einmal klingeln mussten, weil niemand tagsüber sein Haus hermetisch abschloss. Keiner brachte uns und keiner holte uns wieder ab. Und wenn es regnete, wurden wir eben nass.
Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken, Steinen und Murmeln. Wir malten mit Kreide große Kästchen auf den Bürgersteig, um zu hüpfen oder bastelten uns ein Gummitwist. Einige von uns aßen Dreck und Würmer. Und die dunklen Prophezeiungen der Älteren trafen nicht ein. Die Würmer lebten nicht für immer in uns weiter. Und mit den Holzstöcken stachen wir auch nicht besonders viele Augen aus. Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen.

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