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Polizei
Dein Freund und Helfer -Leseprobe-
Autor: Detlef Schmidt
Eingestellt am: 29.03.2006
Seite 2 von 3

So einfach lagen die Dinge auch für Bobo. Für ihn war ein Demonstrant der Feind oder vielmehr der Störer, wie es bei der Polizei hieß. Kein Gedanke über das grundgesetzlich garantierte Demonstrationsrecht, für ihn waren das langhaarige Störenfriede, die hinter Schloss und Riegel gehörten.
Aber zum Grundgesetz hatte Bobo, und auch andere Polizeiführer, ohnehin ein gestörtes Verhältnis.
Bobo musste man nehmen wie er war.
Mir war klar, er änderte sich nicht mehr.
Weit gefährlicher waren dagegen jene Vorgesetzten, die uns einreden wollten, die Demonstranten ließen sich an Waffen, wie Maschinengewehren usw., ausbilden, um während der Demonstrationen auf Polizeibeamte zu schießen.
Aber da waren die jungen Wachtmeister durch die Diskussionsgruppen in der Berliner City besser informiert. Das glaubte natürlich kein Mensch.
Die Wachtmeister erhielten ihre Informationen aber auch in den vielen, in dieser Zeit wie Pilze aus dem Boden schießenden Studentenkneipen. Auch dort wurde nächtelang über Gott und die Welt palavert.
Man ließ sich die Haare etwas länger wachsen und verkehrte in der Freizeit in progressiveren Kreisen. Der Ärger im Dienst war wegen der nach Ansicht der Vorgesetzten zu langen Haartracht zwar vorprogrammiert, aber das nahm man in Kauf. Der Kontakt zu den Studentenkreisen hatte neben dem intellektuellen Anspruch auch andere angenehme Seiten. Die Studentinnen wurden seit Beginn der Protestbewegung immer offener und freizügiger in ihrer Lebensweise. Das bürgerliche Leben, mit seiner spießigen Moral, hatten sie hinter sich gelassen. Man genoss das freie Leben und die freie Liebe.
Welches Mädel wollte da schon als ‚spießig’ gelten?
Und davon profitierten auch die Wachtmeister.
Mit diesem Wandel veränderte sich auch das Äußere vieler Wachtmeister. Der einsame Wolf in der Prärie mit der Träne und dem kalten Kaffee war nun nicht mehr gefragt und musste ersetzt werden.
Jetzt zauberte man den revolutionären Typen aus dem Ärmel. Plötzlich liefen viele junge Beamte in ihrer Freizeit mit einer Baskenmütze umher, die schräg wie ein Barett ins Gesicht geschoben wurde.
In den Augen schimmerte der sehnsuchtsvolle aber entschlossene Ausdruck des ‚Commandante Che Guevara’, diesen Blick hatte man sich von dem berühmten Bild abgeguckt, das überall in Zeitschriften, auf Poster und selbst auf T-Shirts zu sehen war.
Diese Masche kam bei den meisten Mädels wieder gut an und unsere Jungs lagen auch hier erstaunlich gut im Rennen. Von Abneigung zwischen Studentinnen und Bepos konnte überhaupt keine Rede sein, im Gegenteil.
Allerdings wussten die Mädels auch nicht, mit welchem Berufszweig sie sich da einließen. Die Westentaschen-Che-Guevaras achteten peinlichst genau darauf, dass ihr Berufsstand nicht bekannt wurde.
Diese Entwicklung in der Polizei war zum Leidwesen der konservativen Kräfte nicht mehr aufzuhalten. Der Einfluss von ‚draußen’ war zu stark. Der gesellschaftliche Wandel erfasste die gesamte Polizei und vollzog sich in der Weise, dass sie nun nicht mehr im Einheitsblock in eine vorgegebene Richtung marschierte. Nun konnten auch individuelle Gedanken geäußert werden, die nicht in das preußisch-traditionelle Wertesystem passten, ohne gleich als Anarchist zu gelten.
Ich denke, dass die Polizeibehörde erst durch die Ereignisse in dieser Zeit tatsächlich in der Demokratie angekommen ist.

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