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Polizei
...am Leben gelassen
Autor: Detlef Lippek
Eingestellt am: 16.03.2006
Seite 2 von 3

Wir hoffen, ja wir gehen davon aus, dass es sich auch in diesem Fall um solch eine Geschichte handelt. Ich schaue kurz meinen Kollegen an. Ich schaue in ein besorgtes Gesicht.
Eine tolle Geschichte war das mit dem Drachen.
Mit Blaulicht und Einsatzhorn fahren wir zum Einsatzort. In Gedanken bin ich bereits bei dem fremden Kind. Hoffentlich ist das keine schlimme Geschichte mit diesem angeblich entführten Kind. Das wird sich sicherlich gleich zum Guten aufklären.
Es ist mittlerweile fast dunkel.
Wir treffen als erstes Fahrzeug am Einsatzort ein. Eine aufgeregte, völlig verzweifelte Mutter erwartet uns vor dem Haus. Eines ihrer minderjährigen Kinder steht neben ihr und erzählt eine schier unfaßbare Geschichte. Es habe mit seinem Bruder in der Nähe des Hauses gespielt, als plötzlich ein fremder Mann heran stürmte. Er packte sich den schreienden Jungen unter den Arm und rannte mit diesem in Richtung einer nahegelegenen Grünanlage, wo er in der zunehmenden Dunkelheit verschwand.
Wir sind entsetzt. Eilig geben wir unsere Hinweise über Funk an andere Kollegen weiter. Hilflos, wütend und gleichzeitig hoch motiviert greife ich mir meine Taschenlampe und renne in die Grünanlage. Uns ist klar, dass nun jede Sekunde zählt.
Ich sehe überall Polizeifahrzeuge und Kollegen, gehe bei Dunkelheit durch die Grünanlage und hoffe auf einen guten Ausgang dieser schrecklichen Geschichte. Ich leuchte in das dichte Buschwerk, bleibe zeitweise stehen und horche. Nichts! Wo ist das Kind? Was hat der mit dem Jungen vor? Wo sind sie?
Hilflosigkeit macht sich breit. Es vergeht eine ewig dauernde halbe Stunde. Uns wird klar, dass wir mit dem Schlimmsten rechnen müssen.
Nach einiger Zeit verlasse ich die Grünanlage. Ich stehe hilflos auf dem Gehweg und schaue in die Dunkelheit.
Plötzlich fällt mir ein kleiner Junge auf, der langsam und gebeugt schluchzend aus der angrenzenden dunklen Grünanlage in das Licht einer Straßenlaterne hervortritt. Er ist völlig verängstigt. Ich spreche ihn an, frage ihn nach seinem Namen. Mit hilflosem Blick schaut er mich an. Es handelt sich um den entführten Jungen. Schnell wird mir klar, dass die schlimmsten Befürchtungen eingetreten sind. Er wurde von dem Unbekannten mit einem Messer bedroht, mehrfach sexuell mißbraucht und anschließend ... am Leben gelassen und ... weggeworfen.
Ich nehme vorsichtig seine Hand und erkenne, dass er leise vor sich hin weint. Seine Kleidung ist verdreckt. Es fällt mir schwer, passende Worte zu finden. Schnell rollen auch mir Tränen über die Wangen.
Langsam gehen wir nebeneinander her. Mir gelingt es, sein Vertrauen zu gewinnen. Zögernd schildert er mir das Unfaßbare.
Dann eine Bemerkung des Jungen, die ich in meinem Leben nicht vergessen werde:
„Ich habe Dich vorhin gesehen, als Du mit Deiner Taschenlampe an dem Busch vorbeigegangen bist. Der Mann hat mir aber den Mund zugehalten und sein Messer an meinen Hals gedrückt!“

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Henry Miller, aus einem Interview in den 60-iger Jahren
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