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Demokratie
Autor: Thomas Angerer
Eingestellt am: 11.03.2006
Am 03. Oktober 1999 waren zwei Dinge zu Ende. Zum einen mein dreiwöchiger Griechenlandaufenthalt, alleine, ein Traum der bis heute in mir ist. Zum anderen die Ära der großen Koalition in Österreichs Innenpolitik. Es war der Tag der Wahlen, an denen die international gescholtene Haider-Partei FPÖ vorübergehend zur zweitstärksten politischen Fraktion im Land wurde.
Ich blieb den Wahlen fern, sehr fern. Ich war auf Rhodos, dem Anfangs- und Endpunkt meiner Inselrundreise. Im Flugzeug gab der Kapitän das Ergebnis der ersten Hochrechnung durch. Raunen bei den Passagieren. Mir war es egal. Zu schön waren noch die Urlaubsgefühle.
Februar 2000. Griechenland existierte nur mehr in meinem Herzen, in meinem Gehirn, auf Fotos, Landkarten und meiner Homepage. Die Koalitionsverhandlungen der Politiker waren mir auch ziemlich egal. Schließlich lagen die Wahlen so weit zurück wie mein Urlaub und die Planung meiner nächsten Griechenlandreisen nahm mich mehr in Anspruch als das Thema, wer das Land regieren sollte.
Ich befand mich im Tagdienst und war auf dem Weg zu einer Gerichtsverhandlung, um genau zu sein zum Unabhängigen Verwaltungssenat. Ich kann nicht mehr sagen, worum es ging. Ich weiß aber noch, dass bereits auf dem Weg dorthin mein Handy läutete. Der Wachkommandant setzte mich in Kenntnis, dass ich nach der Verhandlung in die Kompanie muss. In Wien gehört jeder uniformierte Polizist, der nicht bei einer Sonderabteilung ist, einer Reservekompanie an, die bei Großereignissen aus ganz Wien zusammen gezogen wird. Ich war bei der 26. Reservekompanie und musste rein. Ich hatte ganz verdrängt, dass just an diesem Tag die neue Regierung angelobt wird, an der auch die FPÖ beteiligt war. Was man über Funk und im Radio mitbekam, hatte sich eine ziemlich große Menge vor dem Bundeskanzleramt versammelt um dagegen zu demonstrieren. Es flogen bald die ersten Steine.
Am frühen Nachmittag stieß ich zu meiner Einheit und wir fuhren mit dem Mannschaftstransporter kreuz und quer von Brennpunkt zu Brennpunkt. Immer wieder hatten Splittergruppen der Demonstranten einen neuen Einsatzort für uns gefunden. Das Sozialministerium wurde gestürmt. Akten flogen aus dem Fenster. Ich weiß heute nicht mehr, wo wir überall eingesetzt waren. Unter anderem war die Zentrale der Kanzlerpartei dabei. Ein wunderschöner Bogengang eines Gründerzeithauses. Kürzlich renoviert, nach diesem Abend erneut renovierungsbedürftig. Eier, Flaschen und Farbbeutel trugen das Ihre dazu bei.
Je länger der Tag dauerte, umso mehr wuchsen die Gefühle in uns Polizisten. Hass. Auf die Politiker, für die wir den Kopf hinhielten und dafür kaum Gegenleistungen bekamen. Auf die Demonstranten, weil sie an diesem Tag eindeutig zu weit gingen. Auf unsere Führung.
Und Angst. Angst, dass einem etwas passiert. Dass der Schulterschluss zum Nebenmann nicht hält. Dass das Schild bricht.
Wir taten das, was bei späteren Demonstrationen dann schon „Der Wiener Weg“ hieß. Deeskalieren. Das ist nichts anderes als zuwarten, Steine und andere Wurfgeschoße abwehren und darauf hoffen, dass das „Gegenüber“ wieder abzieht.
Der Wiener Weg war an diesem Abend erfolglos. Ich sehe noch heute meinen Zugskommandanten vor mir. In einer „Kampfpause“ steuerte er auf drei herumstehende Offiziere zu, riss sich den Helm vom Kopf und brüllte sie an.
„Wie lange sollen wir noch zuschauen. Wie viele Kollegen müssen noch verletzt werden?“ – Die Antwort: Worthülsen. Nichts, an dass ich mich erinnere. Der Zugskommandant reihte sich wieder ein. Der Kampf um die Tretgittersperren vor der Wiener Hofburg dauerte an.

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