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Autorin: Helen Behn
Eingestellt am: 11.03.2006
“Ring, ring, ring“, der Telefonhörer des schwarzen Telefons älteren Modells hüpfte mit dem Klingeln leicht hin und her. im kleinsten Kollegenkreis wurde es „der Vergrellte“ genannt. Der Vergrellte war für Notrufe da.
Im Display erschien der Schriftzug „unbekannter Teilnehmer“.
Nele, die alleine Dienst in der Wache machte, diskutierte gerade im vorderen Wachbereich mit einem älteren errn, der seinen Hund vermisste.
„Hier klingelt ein Telefon“, sagte dieser beiläufig und berichtete dann im gleichen Satz von den Minuten, in denen er seinen Bobtail das letzte Mal sah.
„Und dann kam ich aus dem Bäckerladen, in dem ich seit 19 Jahren jeden Morgen um 6.12 Uhr meine Brötchen kaufe, immer zwei Sesam für meine Frau und zwei Roggen für mich, meinen Hund binde ich immer am Fahrradständer vor dem Laden an.
Ein weiteres Telefon stimmte mit einem anderen Klingelton in den des Vergrellten ein.
„Es klingelt noch ein Telefon,… der Hund darf ja nicht mit in den Laden. Obwohl ich oft danach gefragt hatte, wurde das nie erlaubt.“
Nele entschuldigte sich kurz, versprach dem älteren Herrn, sich gleich wieder seiner Hundegeschichte anzunehmen, und nahm dann den immer noch hin und her hüpfenden Hörer des Vergrellten ab: „Polizei-Notruf!“
Zeitgleich mit der dünnen weiblichen Stimme, die am anderen Ende nur leise wimmernd zu vernehmen war, ertönte der Zellen-Notruf-Knopf mit seinem eindringlichen und durchdringenden Summton. Parallel dazu sah Nele aus dem Augenwinkel die rote Alarmlampe. Reaktionsschnell drückte sie den Warnton weg und bat den Zelleninsassen über die Gegensprechanlage, einen Moment mit seinen Bedürfnissen zu warten. Sie war sich darüber im Klaren, dass er kaum deutsch sprach. Wie viel er letztendlich verstand, blieb ungewiss. Gleichzeitig wandte sie sich wieder dem Notruf zu.
„Was kann ich für Sie tun?“ Die Stimme, die immer wieder in der Tonlosigkeit zu versinken drohte, sagte, „Unfall, einen Unfall, mein Freund redet kaum noch, im Auto eingeklemmt.“
Von der Schleuse her brüllte der nun nicht mehr Hundebesitzer, „wie lange dauert das noch? Jetzt hab ich mich schon als Türöffner betätigt und mit dem Herrn hier bereits genug geredet.“
Neben ihm stand ein weiterer Mann.
Nele war sich ganz sicher, das Klingeln des Bürgers nicht gehört zu haben. Dem Hausmeister wollte sie schon vor einiger Zeit sagen, dass die Klingel anders, besser sichtbar, angebracht werden musste. Aber dafür war dann wohl wieder kein Geld da. Sie konzentrierte sich wieder auf den Notruf und fragte die Frau, die sich als Frau Kraft vorstellte: „Wo haben Sie den Unfall? Ist Ihr Freund noch ansprechbar?“
„Der Unfall ist hier bei den Windrädern. Wir sind fremd hier, aber auf einer Landstraße. Der letzte Ort hieß irgendetwas mit „Ecke“.
Nele dachte angestrengt nach. In ihrem Revierbereich gab es sieben Windparks. „Sehen Sie noch etwas anderes Markantes?“
„Rechts sehe ich eine Kirche und einen Friedhof, sonst nur Wiesen.“
„Ist Ihr Freund noch ansprechbar?“
„Nein, ich glaube nicht“, wimmerte sie weiter. Die Frau schlug sich tapfer, fand Nele, die seit vier Jahren Dienst im Revier hier versah.
„Wenn Sie in Richtung Windräder blicken, wo befindet sich dann die Kirche? Und wie weit ist sie weg?“
Die Frau beantwortete mit tränenerstickter Stimme, „hier ist ein Auto vorbeigekommen und der Fahrer hielt nicht an! Die Kirche ist vielleicht einen halben Kilometer weg.“


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