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Die „BoWu“ vorm „BuKa“:
Autor: Dr. Martin Eichhorn
Eingestellt am: 08.03.2006
Seite 2 von 2

Etliche Male fuhren wir mit Eile, also mit Blaulicht und Sirene, und es war bemerkenswert zu beobachten, wie lange es gelegentlich dauert, bis einige Verkehrsteilnehmer reagieren und Platz für den Funkwagen machen. Wiederholt fiel mir auf, wie respektlos die Kolleginnen und Kollegen in Kreuzberg mitunter behandelt, wie geringschätzig sie von einigen Bürgern schon im Vorbeifahren betrachtet werden. Von Vornherein Respekt einflößend scheint das Auftreten der Schutzleute heute hier wohl nicht mehr zu sein.
Im Laufe der Zeit wurde mir dann auch klar, wie unkalkulierbar sich der so genannte „erste Angriff“ durch die Funkwagenbesatzungen darstellt, welch potenzielle Gefahr er birgt. Die eintreffenden Beamten wissen nie genau, was sie erwartet und wie ihr Gegenüber reagieren wird. Kein Wunder, dass die sonore Stimme aus dem Funkgerät bei bestimmten Einsätzen „Eigensicherung“ anmahnt und sich das Verständnis dieser Forderung von den Kollegen bestätigen lässt. So geschah es auch, als wir wegen einer Schlägerei zu einem U-Bahnhof gerufen wurden. Die Anzahl der Beteiligten war unbekannt. Wir waren als Erste vor Ort. Erwartungsvoll heftete ich mich an die Fersen der beiden Kollegen und rannte die Treppen hinunter. Die Schlägerei schien schon vorüber, und nun versuchten die beiden Polizisten, den Streit zu schlichten. Ging es gleich mit der Gewalt weiter? Als ich mich umsah, erblickte ich plötzlich ziemlich viel Grün hinter mir. Abwartend standen dort sechs weitere Kollegen, die sich von mir unbemerkt genähert hatten. Besonders in solchen Situationen ist dies ein fürwahr gern gesehener, da beruhigender Anblick. Unter dem Eindruck des Ereignisses erkundigte ich mich bei einigen Kollegen, woher letztlich ihr Sicherheitsgefühl rührt: Ist es ihre Ausbildung, das Wissen um die Wirkung ihrer mitgeführten Waffen oder das Vertrauen in die Kollegen, das ihnen die nötige Gelassenheit im täglichen Dienst gibt? Die Befragten gaben ausnahmslos an, dass es vor allem die Kollegen seien, welche die nötige Sicherheit geben.
Als Kommunikationswissenschaftler beobachtete ich besonders interessiert, wie die Polizeibeamten und beamtinnen mit ihrem Gegenüber sprachen. Es liegt auf der Hand, dass sich gerade in Kreuzberg oftmals Sprachbarrieren auftun, dass eine Verständigung auf Deutsch vielfach schwer fällt. Was ihr Kreuzberger Klientel angeht, so schienen mir die Beamten des Abschnitts überaus professionell aufzutreten. Sie verstanden es meist, sich auf Anhieb auf den Gesprächspartner einzustellen und den –inhalt zu vermitteln. Sie trafen den richtigen Ton.
Dennoch: Es mag an der „Dynamik des Geschehens“, am Trubel liegen, in dem sich Beamte oft wieder finden, aber ich hatte einige Male das Gefühl, als würden Zeugen und Helfer etwas bärbeißig behandelt. Wer täglich mit Straftaten und –tätern umgeht, der verliert vielleicht mitunter der Blick dafür, wie ausgefallen solche Ereignisse für Zeugen und nichtprofessionelle Helfer sind. Es scheint mir empfehlenswert, diese nach einem solchen Erlebnis ausdrücklich zu verabschieden und sich für die Hilfe stellvertretend zu bedanken – auch damit deren Motivation dazu für die nächste beobachtete Straftat erhalten bleibt.
Die Zeit auf dem Abschnitt verflog. Am Ende hatte ich viele engagierte Polizeibeamte kennen gelernt und Berlin von einer neuen Seite gesehen.
Schließlich zeigte ich mich noch verwundert, wozu Polizeibeamte alles Berichte schreiben müssen. Ich merkte am eigenen Leib, wie schwer es sein kann, morgens um „null vierhundert“ die Augen noch aufzuhalten. Ich erlebte, als wie hinderlich sich die Mütze in so mancher Situation erweist. Ich sah, wie viele Einsatzmittel der Polizist sich selbst anschafft, weil es der Behörde an Geld fehlt. Und ich sah ein, wie schnell Polizeibeamte oft vor Ort in rechtlichen Fragen entscheiden müssen: „Was darf ich jetzt? Was darf ich jetzt nicht?“! Des Juristen liebster Satz ist: „Das muss ich prüfen“, worauf er ein besonnenes Nachschlagen in dicken Büchern meint. Das allerdings ist den Beamten auf der Straße nie möglich.


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