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Erster Mai bei der Berliner Polizei
Autor: Dr. Martin Eichhorn
Eingestellt am: 08.03.2006
Seite 2 von 2

Die erste Veranstaltung war beendet, nun ging es in die Mitte der Stadt. Jetzt wechselte ich das Team, schloss mich zwei weiteren Kollegen an, die an der Spitze des Zuges der „Revolutionären 1. Mai Demo“ liefen, um dort die Medienvertreter zu betreuen. Von der Atmosphäre in Kreuzberg war ich anfänglich angenehm überrascht. Es herrschte Volksfeststimmung, die Menschen saßen in den Cafés, ich sah hier und da bekannte Gesichter, Gesichter von Menschen, die ganz sicher nicht auf Krawall aus waren. In der Ohlauer Straße bemerkten wir dann einen Menschenauflauf vor einer türkischen Bäckerei. Etwa fünf Leute innerhalb dieser Gruppe hatten eine Auseinandersetzung und begannen sich zu prügeln. Wie sich später herausstellte, hatte ein türkischstämmiger Jugendlicher in dieser Bäckerei gestohlen. Vom Einsatzkonzept her waren ja vergleichsweise wenig Polizeibeamte unmittelbar vor Ort, die ersten für uns greifbaren sicher 50 m entfernt. Einer der für die Pressearbeit zuständigen uniformierten Kollegen ging schnurstracks auf die Gruppe zu. Ganz nonchalant und auf eine, wie ich fand, schon fast altmodisch erfolgssichere Art, bahnte er sich einen Weg zu den Rangelnden und schlichtete den Streit. Ein Schutzmann sorgt für Ruhe! Für mich war das einer der imponierendsten Momente an diesem 1. Mai.
Die Demonstration endete, wir fuhren zum Oranienplatz, beobachteten das bunte Treiben und gaben dort noch die letzten Auskünfte.
Bei beiden Veranstaltungen bewunderte ich die Arbeit der Anti Konflikt Teams (AKT), die das so genannte Konzept der ausgestreckten Hand fassbar machten. Ich beobachtete genau, mit wem sie wie sprachen: Ohne Menschenkenntnis, Unvoreingenommenheit und Idealismus ist diese Aufgabe wohl kaum zu bewerkstelligen. Ebenfalls bei beiden Veranstaltungen lernte ich etwas über die vermeintlich politische Gesinnung einiger Teilnehmer: Da liefen bei der NPD so genannte „Autonome Nationalisten“ mit, Palästinensertücher um den Hals und schwarz gekleidet. Andererseits tauchten später in Kreuzberg einige Rechte auf, um Seite an Seite mit den Randalierern anderer (oder gar keiner?) Gesinnung durch die Straßen zu ziehen: Mariannenplatz, ein Abenteuerspielplatz!
Zurück im Präsidium verfolgte ich das Einsatzfernsehen auf dem Bildschirm. Als die Randale dann bei Einbruch der Dunkelheit begann, saß ich im Führungsstab, um einer Kollegin der Pressestelle über die Schulter zu schauen. Es war überaus interessant zu sehen, wie die Informationen im „FüSta“ zusammenlaufen, wie die etwa zwanzig Personen hier zusammenarbeiten und wie Entscheidungen getroffen werden.
Gegen 23 Uhr wollte die Berliner Abendschau, ein Regionalmagazin, dann noch einmal ein Interview haben. Dieses sollte vor Ort in Kreuzberg geführt werden. Wir fuhren also mit einem Dienstfahrzeug wiederum zum Oranienplatz. Ab Moritzplatz war die Oranienstraße für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Nachdem ich im Führungsstab miterlebt hatte, wie es an einigen Stellen Kreuzbergs zuging, wirkten die sonst so vertrauten Straßen etwas unheimlich und dunkler als sonst. Das Interview konnte vom Reporter des Regionalmagazins nur geführt werden, weil ihm der Sender drei Bodyguards an die Seite gestellt hatte, welche Betrunkene abdrängten. Nach 18 Stunden „Dienst“ fuhr ich müde nach Hause.
Unvorstellbar, dass die Polizeibeamten aus dem übrigen Bundesgebiet ebenso lange eingesetzt waren und dann auch noch am selben Tag die Heimreise antreten mussten. Ihnen wurde es nicht ermöglicht, die faszinierende Stadt Berlin noch von anderen Seiten kennen zu lernen.


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