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Polizei
Erster Mai bei der Berliner Polizei
Autor: Dr. Martin Eichhorn
Eingestellt am: 08.03.2006
26 Jahre lang lebte ich in Berlin-Kreuzberg. An den „ersten 1. Mai“, das heißt an den ersten, an dem es schwere Ausschreitungen gab, kann ich mich ebenso gut erinnern wie an die Gewalt und an die Zerstörungen, die seitdem jeder 1. Mai für den Bezirk mit sich brachte.
Als Hospitant der Berliner Polizei begleitete ich zwei Aufzüge, nämlich morgens den der NPD in Charlottenburg und nachmittags die „Revolutionäre 1. Mai Demonstration“ in Kreuzberg.
An der Seite erfahrener Kollegen fuhr ich also anfangs in den Norden der Stadt. Schon waren wir mitten im Geschehen. Mein überdimensionierter Hospitanten Ausweis kam entsandten Polizeibeamten aus Bayern verdächtig vor, und sie wollten mich zunächst nicht durch die Absperrung lassen, vermuteten Betrug. Endlich hinter der Einlasskontrolle angekommen, war ich erstaunt zu beobachten, wie rigide die Auflagen durchgesetzt wurden, wie konsequent die Polizei vorging. Wer in Springerstiefeln mit Stahlkappen erschien, musste diese ausziehen und auf Socken mitlaufen. Wer sich „ACAB“ („All Cops are Bastards“) auf einen sichtbaren Arm tätowiert hatte, musste dieses Tatoo abkleben. Nach einiger Zeit setzte sich der Zug der NPD Anhänger in Bewegung. Hier flog ein Ei, dort brüllten die wenigen Gegendemonstranten, die es bis an den Aufzug geschafft hatten, und streckten ihre Mittelfinger in die Höhe. Dann reagierten die NPD Anhänger auf dieselbe Weise. Finger gegen Finger, Gebrüll gegen Gebrüll: ein absurdes Bild. Während ich den Demonstrationszug begleitete, stellten sich mir plötzlich die Fragen: Was tut ein Polizeibeamter, der während eines Einsatzes auf die Toilette muss? Was tut gar eine Beamtin? Wie entledigt man sich schnell der Schutzausrüstung? Befragte Kollegen räumten ein, dass es sich hierbei um ein wahrhaftes Problem handele und führten mir vor Augen, dass sich ein Beamter nie hinter einen Strauch stellen dürfe, schon gar nicht in Uniform. Etwas naiv vielleicht war ich in dem Glauben, die Polizei würde über grün weiß lackierte WC Einsatz Fahrzeuge verfügen. Nun gut.
Zur Abschlusskundgebung vor dem Olympiastadion goss es immer wieder wie aus Kübeln. Wir, eine Kollegin in Zivil und ein Kollege in Uniform, fanden Schutz unter dem Vordach einer Imbiss Bude. Als der Regen noch stärker wurde, gesellten sich zahlreiche NPD Anhänger, überwiegend glatzköpfig, zu uns. Für Minuten waren wir von der Masse eingeschlossen, und mich beschlich ein unangenehmes Gefühl. Selten war ich so froh, als die Sonne wieder schien. Nun wunderte ich mich – und Wundern war an diesem 1. Mai meine Hauptbeschäftigung – über das mangelnde Feingefühl zweier Journalisten eines privaten Fernsehsenders, die sich Suppe an der Gulaschkanone der NPD holten.


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