Kopf
Home
Idee & Ziel
Schreib einfach!
Die Texte
Die Autoren
Verein
Buchprojekte
Shop
Presse
Termine
News
Blog
Links
Gästebuch
häufige Fragen (FAQ)
Kontakt
Newsletter
Polizei-Poeten Logo
Polizei
Tote Nacht
Autor: Peter M. Schmid
Eingestellt am: 11.02.2006
Seite 3 von 3

Später, als die Kriminalpolizei da ist, fahren wir zurück ins Revier. Nur noch den Bericht schreiben und es ist geschafft.
Wenig später sitze ich mit meinem Feierabend-Bier zwischen den Kollegen. „Ich hab gehört, ihr hattet einen Suizid“ sagt einer. Wir antworten knapp, reißen ein paar Witze über die Situation. Wer uns jetzt hören würde, würde uns wohl für gefühllos, vielleicht sogar für krank halten. Doch es ist immer so – zuerst zieht man alles ins Lächerliche, das schützt.
Die Kollegen gehen und ich und mein Partner sitzen alleine da. Wir reden nicht viel. Trotz Schweigen ist klar: Irgendetwas was dieses Mal anders. Ich fühle mich ausgelaugt und leer. Schuldgefühle? Nein, schließlich haben wir getan was wir konnten, und der Mann wahr vermutlich schon tot, als wir eingetroffen sind.
Trotzdem kann ich bis neun Uhr nicht schlafen. Das Musikstück – wie auch immer es heißt -spielt in meinem Ohr. Sicher habe ich es auch schon mal mit meiner Freundin gehört. Mir geht es nicht aus dem Kopf. Immer noch Bilder in Zeitlupe. Endlich schlafe ich ein.
Einige Tage später fahren wir wieder durch die Nacht. Plötzlich fragt Jan ob ich nach dem Vorfall schlafen konnte. Ich verneine, worauf er meint, er sei ebenfalls lange wach gewesen und hätte gegrübelt. Ihm ging es also auch nahe.
Wir fragen uns was „besonders“ war und kommen zu keiner wirklichen Lösung. Wir kannten den Toten nicht, eigentlich war alles wie immer.
Mir fällt der Satz ein „Die erste Leiche vergisst du nicht“. Wirklich? Ich versuche mich zu erinnern, wann ich meine erste Leiche sah und was damals passiert war. Ich kann mich nicht mehr erinnern? Dabei bin ich erst seit sieben Jahren bei der Polizei und davon vier Jahre in Ausbildung.
„Ich hab sie vergessen“, stelle ich fest. Aber ich weiß nicht, ob ich mich deshalb freuen, oder ob ich vor mir selbst erschrecken sollte.
Wir fahren weiter durch die tote Nacht.


zurück   1  2  3   
(6003)
Share in Facebook

* Aktuelles * (19.11.2017)
News:

Neue Texte:
Himmelfahrtskommando (T. Knackstedt)

Neue Autoren:

"Ich entschloß mich von dem Standpunkt meiner eigenen Erfahrungen zu schreiben, von dem was ich wusste und was ich fühlte. Und das war meine Rettung...

... Was ist Original? Alles was wir tun, alles was wir Denken existiert bereits und wir sind nur Vermittler. Das ist alles. Wir machen von dem Gebrauch was bereits in der Luft ist."
Henry Miller, aus einem Interview in den 60-iger Jahren
Newsletter
Zum Bestellen unseres Newsletters senden Sie bitte eine eMail an:
info@polizei-poeten.de

Home   Idee & Ziel   Schreib einfach!   Die Texte   Die Autoren   Verein   Buchprojekte   Shop   Presse   Termine   News   Blog   Links   Gästebuch   häufige Fragen (FAQ)   Kontakt   Newsletter   
Impressum & Datenschutz    eMail an uns

©2002..2017, POLIZEI-POETEN, Volker Uhl, Robinienweg 6, D-79189 Bad Krozingen
Besucher (seit 1.9.2002):
counter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conception


gestaltet von: Web-Conception Internet Service   www.web-conception.de