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Die erste "Leiche" vergisst man nicht
Autor: Gerd Boussel
Eingestellt am: 01.02.2006
Der Satz ist für sich genommen einigermaßen ungerecht. Das Nichtvergessen setzt hier die Anbetracht einer Leiche voraus.
Wenn ich die erste Tote in meinem Erleben meine, handelte es sich für mich, weiß Gott, nicht um eine Leiche. Ich war zehn Jahre alt, als meine Mutter an einem scheiß kaputten Gasherd hinfiel und das ausströmende Gas einatmete. Ein Topf war übergekocht und hatte die Flamme und dann ihr Leben ausgelöscht. Zehn Tage lag sie im Sauerstoffzelt und stand nie wieder auf. Ich hätte meine Mutter nie als Leiche betitelt, auch wenn es für andere eine Leiche war. Dieses Erlebnis hat mich jedoch weit mehr für mein weiteres Leben geprägt, als alle anderen im Polizeialltag gefundenen Leichen zusammengenommen. Aber das wäre eine ganz andere Geschichte.
Leichen sind leblose Körper, eher Sachen, die es nur noch zu bergen, zu waschen, anzukleiden, einzusargen, zu begraben oder zu verbrennen und womöglich vorher zu obduzieren gilt. Manche Leichen werden auch präpariert. In Deutschland mussten bisher die sterblichen Überreste eines Menschen den Elementen Erde oder Wasser übergeben werden. Mittlerweile gibt es die Möglichkeit, die Asche des Toten in den Weltraum zu katapultieren oder in einen Rohdiamanten pressen und anschließend nach Wunsch schleifen zu lassen. Sogar Baumbestattungen in einer biologisch abbaubaren Pappurne werden angeboten.
Leichen sind anonym und weit weg. Leichnam hört sich bereits etwas ehrwürdiger an, so wie Verstorbener oder Verunglückter. Tot bleibt jedoch tot.
Meine erste Leiche, die ich als frisch gebackener Wachtmeister der Volkspolizei „erleben“ durfte, war Karsten. Dass es Karsten war, stellte sich allerdings erst viel später heraus. Karsten war einst einer meiner Schulkameraden in Angermünde. Er war weder einer meiner guten Freunde, noch mochte ich ihn damals sonderlich gut. Aber immerhin kannte ich ihn und war mit ihm in eine Klasse gegangen.
Was ist in meinem Gedächtnis hängen geblieben? Es muss 1981 gewesen sein. Es war Nacht, spät in der Nacht. Wir wurden mit unserem Funkstreifenwagen zu einer Landstraße gerufen. Kurz vor Kerkow soll ein Mann auf der Fahrbahn liegen. Es war nicht weit weg von der Kreisstadt. Die stockfinstere Landstraße zum Dorf ging über einen leichten Hügel, wie sie in der Uckermark üblich sind. Eiszeitliche Endmoränen.

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