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Polizei
Alle Jahre wieder
Autor: Thomas Eppensteiner
Eingestellt am: 20.01.2006
Seite 2 von 2

Eigentlich musste er gar nichts sagen. Sie verstand auch so. Die Hand an seiner Kehle drückte immer stärker zu. Am liebsten wäre er schnell davongelaufen, so schnell er konnte. Er konnte sie nicht sehen doch sie waren da, die langen, knochigen Finger die immer mehr zudrückten.
„Sagen sie es! So sagen Sie es doch endlich!“
Sie schrie ihre Gewissheit laut hinaus während sie vor ihm in die Knie ging und am Fußboden kauernd ihrer Verzweiflung nachgab.
Der kleine Engel kam, offenbar vom Lärm geweckt, aus seinem Zimmer. Unsere Anwesenheit schüchterte sie ein. Sie war bestimmt nicht älter als drei oder vier Jahre, eine kleine Prinzessin, braunen Locken. Ängstlich presste sie sich an ihre Mami.
Er hatte es immer noch nicht geschafft, ihr auch nur in Ansätzen zu sagen, was passiert war. Er bekam kaum noch Luft und konnte erst nach weiteren Momenten, die ihm wie Tage schienen, etwas sagen.
Ja, sicher, es tat ihm leid. Nein, genaueres konnte er auch nicht sagen. Er würde sich noch mal melden, wenn er noch was für seinen Bericht benötigen würde.
Als dann das Akutbetreuungsteam der Rettung endlich da war, stand er erleichtert auf der Straße.
Weg hier. Kotzen.
Die ersten fünf Bier nach Feierabend gehörten dem Erlebten.
Er wäre gerne danach mal zu ihr gefahren. Fragen, wie es denn nun so geht, wie sie klar komme. Ob man denn helfen könne.
Neue Erlebnisse am Streifenwagen überlagerten nach und nach alte. Irgendwann fand er es dann unpassend. Vielleicht hatte sie es ja schon verdrängt. Einen neuen Freund oder weiß der Teufel was. Nein, unpassend. Alte Wunden öffnen, darin herumbohren, unpassend.
Diese Ohnmacht. Dieses nicht helfen können. Das machte ihm noch lange zu schaffen und erst nach einigen Monaten begann er, diese dicke Haut anzulegen, die alle Kollegen haben, mit denen er so manche Diensttour verbrachte. Die hat man eben, sonst stellt es Dich auf. Die trägt man zwölf Stunden und dann legt man sie ab. Wenn man kann.
Seit damals gehören diese zwei Stunden jedes Jahr zu seinem Weihnachtsfest. Wie die Geschenke, die Menschen die man liebt und die leuchtenden Augen seines Kleinen, wenn er vor dem Baum steht.
Und dann spürt er, dass er die dicke Haut doch noch ablegen kann.


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Henry Miller, aus einem Interview in den 60-iger Jahren
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