Kopf
Home
Idee & Ziel
Schreib einfach!
Die Texte
Die Autoren
Verein
Buchprojekte
Shop
Presse
Termine
News
Blog
Links
Gästebuch
häufige Fragen (FAQ)
Kontakt
Newsletter
Polizei-Poeten Logo
Polizei
Der verkannte Sohn
Autorin: Hannelore Fritz
Eingestellt am: 16.01.2006
Es war ein Frühdienst am Samstag. Ich hatte die Woche komplett gearbeitet, und jeden Tag früh aufstehen war für einen Schichtgänger fürchterlich. Die meisten Kollegen kommen mit der Frühwoche nicht klar.
Spätestens am Samstag fängt man an die Minuten bis zum Feierabend zu zählen und sich auf den einzig richtigen freien Tag am Sonntag zu freuen. Bei uns sollte sich der Feierabend aber hinauszögern und mit einem Einsatz enden, den ich mein Leben lang nicht vergessen werde.
Die Uhr zeigte bereits den späten Vormittag an, welcher sich recht gemütlich und ruhig gestaltet hatte. Hier mal ein kleiner Verkehrsunfall, ein Ladendieb und ein paar dreiste Falschparker, die den einkaufswilligen Bürgern das shoppen vermiesten.
Gegen 13.00 Uhr, als wir bereits auf dem Rückweg zur Wache waren, bat uns die Einsatzzentrale einen Einsatz im Nachbarrevier zu übernehmen. Die Kollegen im anderen Teil Harburgs waren mit einem größeren Einsatz vollauf beschäftigt und damit war klar, dass wir eilige Einsätze dort übernahmen.
„Peter 46/2 – XY-Straße 30, I. Obergeschoss, L-Sache!“
„Na super!“, dachte ich, kurz vor Torschluss noch eine Leichensache. Solche Einsätze waren nie angenehm, besonders, wenn die Angehörigen anwesend sind und mit ihrer Trauer kämpften.
Wir trafen vor dem Rettungswagen am Einsatzort ein und wurden von einem Mann mit roten, verweinten Augen in Empfang genommen, seine Hände zitterten, als er uns die Haustür aufhielt.
„Mein Sohn!“ stammelte er, „In seiner Wohnung – gleich hinter der Tür!“
Er übergab uns den Schlüssel, begleitete uns schwankend in das 1. Obergeschoss, wies auf eine Wohnungstür und stöhnte: „Wenn sie mich brauchen, meine Frau und ich wohnen direkt drüber!“
Mein Streifenpartner und ich schauten uns in die Augen, warteten bis der Mann verschwunden war und öffneten die Wohnungstür.
Wir bekamen die Tür nur einen Spalt auf. Die Tür stieß gegen etwas Schweres. Ich tastete die Wand rechts von der Tür ab und fand den Lichtschalter. Nun konnten wir erkennen, was uns den Eintritt versperrte. Im Flur, direkt vor der Eingangstür, hatte sich ein Mensch erhängt.
Wir drängten uns durch den Spalt und konnten uns nun die so genannte „Auffindesituation“ ansehen. Die Person, die dort hing, hatte ein schwarz-weiß gemustertes Minikleid an, trug eine Nylonstrumpfhose und eine langhaarige, blonde Perücke. Am linken Fuß befand sich noch ein Pumps. Der andere Pumps war vom rechten Fuß gerutscht und lag neben einer Kiste, welche direkt unter dem Leichnam stand.


   1  2  3   weiter
(6067)
Share in Facebook

* Aktuelles * (21.11.2017)
News:

Neue Texte:
Himmelfahrtskommando (T. Knackstedt)

Neue Autoren:

"Ich entschloß mich von dem Standpunkt meiner eigenen Erfahrungen zu schreiben, von dem was ich wusste und was ich fühlte. Und das war meine Rettung...

... Was ist Original? Alles was wir tun, alles was wir Denken existiert bereits und wir sind nur Vermittler. Das ist alles. Wir machen von dem Gebrauch was bereits in der Luft ist."
Henry Miller, aus einem Interview in den 60-iger Jahren
Newsletter
Zum Bestellen unseres Newsletters senden Sie bitte eine eMail an:
info@polizei-poeten.de

Home   Idee & Ziel   Schreib einfach!   Die Texte   Die Autoren   Verein   Buchprojekte   Shop   Presse   Termine   News   Blog   Links   Gästebuch   häufige Fragen (FAQ)   Kontakt   Newsletter   
Impressum & Datenschutz    eMail an uns

©2002..2017, POLIZEI-POETEN, Volker Uhl, Robinienweg 6, D-79189 Bad Krozingen
Besucher (seit 1.9.2002):
counter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conception


gestaltet von: Web-Conception Internet Service   www.web-conception.de