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Polizei
Der verkannte Sohn
Autorin: Hannelore Fritz
Eingestellt am: 16.01.2006
Seite 2 von 3

Es war offensichtlich, dass die Person tot ist. Leichenflecken waren unverkennbar und auch der süßliche Todesgeruch war leicht zu vernehmen.
Aber eines an dieser Situation war anders. Die Person in dem Minikleid war ein Mann. Das Gesicht vom Tode verzerrt, bizarr geschminkt und behaarte Beine, die unter dem Kleid hervorlugten.
Ein Blick in die Kiste unter dem Leichnam bestätigte uns in der Annahme, dass die Person neben ihrer Transsexualität auch Sexualpraktiken auslebte, die mir fremd waren. Ich erkannte gerade Mal eine Peitsche und einen großen Dildo. Wozu das andere „Spielzeug“ war, wollte ich gar nicht wissen.
In diesem Moment der Rettungswagen samt Notarzt ein. Mein Partner war dabei, die Wohnung nach einem Abschiedsbrief zu durchsuchen und telefonierte mit der Wache, damit diese das LKA informierten.
Während die Kollegen der Feuerwehr mit in der Wohnung waren, trat ich in das Treppenhaus. Ich wollte dem Anblick entkommen und kurz frische Luft schnappen.
Mein Kollege riss mich aus meinen Gedanken und reichte mir den Personalausweis hinaus.
„Hier – kannste den Namen mal notieren!“ und verschwand wieder in der Wohnung.
Als ich so auf das Fensterbrett gelehnt im Hausflur den Namen in mein Merkbuch schrieb, hörte ich leise Schritte von oben die Treppe herunter kommen.
Sekunden später stand eine Frau am Treppenabsatz über mir, starrte mich mit großen, verweinten Augen an und fragte, „habe ich meinen Sohn nicht gekannt?“
Sie trat langsam, Stufe für Stufe näher und fragte mich wieder, „habe ich meinen Sohn nicht gekannt?“
Ich klappte mein Merkbuch zusammen, und wandte mich der Frau zu.
„Sind sie Frau Meyer?“
Eigentlich ein ziemlich blöde Frage, aber eine Antwort auf die Frage bekam ich nicht.
In diesem Moment erschien der Ehemann, der uns zuvor am Hauseingang erwartet hatte, am Treppenabsatz. Ich nickte ihm zu und gab ihm zu verstehen, dass ich mich um seine Frau kümmern würde. Er dreht sich dankbar um, endlich wieder in seine Wohnung flüchten zu können.
Zusammen mit der Frau setzte ich mich auf die Treppe. Eigentlich kein geeigneter Ort über solch’ eine Situation zu reden, aber ich hatte das Gefühl, dass die Frau keine Kraft mehr hatte woanders hinzugehen.

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