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Tapfer, Tapfer
Autor: Bodo Doering
Eingestellt am: 14.01.2006
Den Dienst hatte ich für heute hinter mir. Feierabend war eingeläutet. Meine Frau und ich saßen gemütlich im Wohnzimmer. Wir unterhielten uns über dieses und jenes und über das, was unser Söhnchen wieder angestellt hatte, und wie er sich entwickelt. Es war auch die Zeit, als wir wieder im achten Monat schwanger waren, mehr aber eigentlich meine Frau.
„Ich muss dir unbedingt darüber erzählen was mir heute passiert ist. Du musst dich aber bitte nicht aufregen. Ich habe später selbst lachen müssen“, leitete sie ein Gespräch ein. Interessiert schaute ich sie an und wartete.
„Heute Vormittag klingelte es regelrecht Sturm. Ich schaute aus dem Küchenfenster und erkannte Horst.“
Horst und seine Frau sind mit uns befreundet. Er ist Kollege von der Stadtkripo.
„Ich habe den Türöffner gedrückt“, fuhr meine Frau fort, „und Horst hereingelassen. Er war aber nicht alleine. Ein junger Mann war dabei, den Horst am Arm hielt. Horst drängte mich gleich in den Gang, er hatte es unheimlich eilig. Er führte den jungen Mann ins Wohnzimmer und platzierte ihn in einem Sessel, wobei er seinen Begleiter anwies, sich nicht zu rühren. Dann griff Horst in seine Hosentasche, klappte die Klinge eines ziemlich kräftigen Taschenmessers auf und drückte es mir in die Hand. Wenn der Mann sich rühre, solle ich bedingungslos zustechen, stell dir vor – bedingungslos zustechen! Horst rannte aus dem Zimmer. Ich hörte nur noch etwas von ,..und hoffentlich ist es nicht zu spät‘. Dann hörte ich ihn die Toilettentür zuschlagen.
Der junge Mann schaute mich eher verschüchtert an. Er sah ja auch, dass ich schwanger bin. Das Messer hatte ich aber in der Hand behalten. Ich habe ihm gleich erklärt, dass er ja sitzen bleiben soll, sonst würde ich zustechen. Ob ich das gemacht hätte, weiß ich nicht. Mein Gegenüber meinte, ich brauche keine Angst zu haben. Er würde sich nicht rühren, er würde mir keinesfalls zu nahe kommen, aber ich solle ihm um Gottes Willen auch nichts antun. Er hätte Scheiße gebaut, und der Kripomann hätte ihn erwischt und gerade eben festgenommen.“
„Wie lange hat dich denn Horst mit dem Kerl alleine gelassen?“, fragte ich nach. Mir begann unbehaglich zu werden.
„Oh, er war ziemlich schnell wieder da. Er hat sich vielmals entschuldigt, aber er hätte im Moment sehr starken Durchfall und, es sei unmöglich länger zu halten gewesen. Dann sind sie gegangen. Und Horst hat den Mann wieder am Arm geführt und ihn in ein Auto gesetzt und ist abgefahren.“
Mir fiel im Moment nichts weiter ein, als dass sich leichter Zorn in Richtung meines Kollegen regte. Was wäre gewesen wenn...?
„Was hättest du denn gemacht, wenn der Kerl aufgestanden und auf dich zugekommen wäre?“, wollte ich nun wissen.
„Ich weiß es nicht. – Einerseits war ich total überrascht von allem. Dann habe ich aber fast lachen müssen, weil der junge Mann so eingeschüchtert dasaß, auf das Messer in meiner Hand starrte und offensichtlich weit mehr Angst vor mir hatte als ich vor ihm.“
Es war gut gegangen. Und als ich zu ihr hinüber sah, schmunzelte sie. Erlebtes schien Revue zu passieren.

aus dem Buch: „Bodos ziemlich wahre Schmunzelgeschichten“


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