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Komma, obwohl...
Autor: Bodo Doering
Eingestellt am: 14.01.2006
Seite 2 von 2

Auch mir gelang keine Vollendung dessen, was Philipp begonnen hatte. Ich wollte dies auch eigentlich nicht, sondern wartete eher, wie es nun weiterginge. Schorsch meldete sich wieder und stellte im Hinblick auf mein offenkundiges Unvermögen befriedigt nochmals fest, dass ja auch er nicht hat helfen können. Sich an Philipp wendend hielt er diesem vor: „Jetzt sag mir mal, warum hast du denn den Satz nicht zu Ende geschrieben – gestern? So pünktlich muss man ja nicht nach Hause gehen. Einen Satz oder Gedanken kann man doch noch fertig schreiben, dann passiert das nicht.“
Mit seinem Unvermögen hadernd, versuchte sich Philipp wieder in den Text zu vertiefen. Er schien nicht akzeptieren zu wollen, dass er des Satzes Sinn nicht erfasste.
„Eigentlich hätte der Satz aber doch gestimmt, wenn das Komma und das Wort ,obwohl‘ nicht da stünden. Was hatte ich mir da nur gedacht? Es muss doch ein wichtiger Gedanke gewesen sein!“, sprach Philipp vernehmlich und doch mehr zu sich selbst und schüttelte zum wiederholten Male den Kopf.
Wieder das Grinsen von Schorsch, dem die Situation sichtlich Spaß machte.
Dann das typische Rollgeräusch der Schreibmaschinenwalze, wenn sie sehr eilig gedreht wurde. Philipps Hand hatte den eingespannten Bogen am oberen Rand ergriffen und mit Ruck aus der Maschine gezogen. Mit Zorn zerriss er diesen zusammen mit dem Kopierbogen und warf ihn zum Papierkorb. Dann sprang er auf. „Jetzt hole ich mir erst einen Kaffee. Wollt ihr auch einen?“ Wir dankten zustimmend. Er hatte das Zimmer verlassen.
„Was hast du gemacht, Schorsch? Irgendwie hast du doch...?“ Ich kannte seine Lust am Schabernack. Und wieder mit der leicht angehobenen Stimme erklärte er:
„Weißt du, der Philipp rennt zum Dienstschluss auf die Sekunde genau aus dem Zimmer. Da kannst du die Uhr nach stellen, ob der mit seiner Arbeit fertig ist oder nicht. Der lässt grad‘ alles stehen und liegen. Und gestern, als er aus dem Zimmer war, da habe ich nach dem letzten Satz den Punkt mit einem Komma überschrieben und noch ,obwohl‘ hinzugefügt. – Sonst habe ich überhaupt nichts gemacht.“


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