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Im Abseits
Autor: Gerald Marek
Eingestellt am: 12.12.2005
In der Fußgängerzone geht es heute richtig rund. Was für ein Trubel!
Seit Wochen kämpfen die Politiker im Straßenwahlkampf um jede Wählerstimme. Heute, auf dem Wochenmarkt, bietet es sich bei schönem Wetter besonders gut an, nochmals richtig für die eigene Partei zu werben und die Konkurrenten zu übertrumpfen. Tatsächlich ergreifen die Ortsverbände die Gelegenheit, dem Wahlvolk ihre Bewerber für den Bundestag zu präsentieren, die bisher nur von Plakaten bekannt waren. Etwa ein Viertel des Marktplatzes ist mit Info-Ständen von fünf Parteien besetzt. Seite an Seite – quasi Auge in Auge – stehen die Konkurrenten um die attraktiven Sitze im Parlament und argumentieren mit Passanten, drücken ihnen Faltblätter in die Hände und erklären, warum ihr Wahlprogramm besser ist als die der anderen. Kräftig mit dem Kopf nickend versprechen sie, sich um die Angelegenheiten der Menschen zu kümmern. Natürlich werden wir uns der Arbeitslosen besonders annehmen, selbstverständlich sorgen wir uns um die Armut vieler Leute und ganz sicher haben wir die Patentlösung für die Senkung der horrenden Gesundheits- und Lebenshaltungskosten.
Es scharen sich immer wieder Menschen um die Stände der Politiker. Wähler, Nichtwähler, Vielleichtwähler, Jungwähler, Stammwähler, Wechselwähler, Leute, die sich anhören wollen, welche Partei ihre Probleme lösen kann und Leute, die nur hingehen, um sich später darüber aufzuregen, was ihnen (ihrer Ansicht nach) wieder für ein Blödsinn versprochen wurde – wie vor jeder Wahl.
Falls mal kein mutmaßlicher Wähler am Stand steht, kreisen die Kandidaten wie Greifvögel umher, um sich dann auf die „Opfer“ zu stürzen, die eigentlich nur einen Kopfsalat, ein paar Tomaten oder Kartoffeln für das Mittagessen auf dem Markt besorgen wollten.
Während ich die Szene durch das Fenster des Stehcafés an der Ecke betrachte, lasse ich nachdenklich meinen Löffel in der Tasse Milchkaffee kreisen. Mein Blick wandert zu Hilmar, der ganz in der Nähe dieser imaginären Wahlkampfarena auf dem Marktplatz steht. Er ist seit Jahren arbeitslos und wohnt auf der Straße. Seine ausgemergelte Gestalt, seine faltige Haut und seine fehlenden Zähne lassen ihn um viele Jahre älter aussehen, als er in Wirklichkeit ist. Seine gelb-braunen Fingerkuppen riechen nach Nikotin und sein Atem nach abgestandenem Alkohol vom gestrigen Rausch, den er sich angesoffen hatte, um seine Sorgen weg zu spülen.

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