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Polizei
Eine halbe Stunde
Autor: Helmut Wetzel
Eingestellt am: 21.11.2005
Seite 4 von 4

Ein Passant mustert uns beide im Vorübergehen. Was denkt der? Dass wir zusammen gehören? Ein Paar, das sich anschweigt? Auch egal.
„Es ist schön, wenn man nicht allein warten muss.“
Sie sagt das nicht irgendwie ironisch oder so, als erwarte sie eine Antwort. Es ist eine einfache Feststellung. Sie findet es schön. Mit mir. Das hat mir lange niemand mehr gesagt. Wann habe ich zuletzt so etwas gesagt? Na ja, das „mit mir“ kam nicht so direkt von ihr.
Busse fahren vor, aus den Türen ergießt sich bei jeder Ankunft ein Schwall Menschen, die an uns vorbei einem unbekannten Ziel zustreben.
„Wissen sie, ich habe einen Untersuchungstermin. Einen sehr wichtigen Termin. Heute entscheidet sich alles, das macht einem schon Angst.“
Und jetzt? Was erwartet sie? Trost? Ein „wird schon gut gehen“? Nein, das sicher nicht – aber was? Was soll ich sagen? Was sagt man in so einer Situation? Ich sehe sie an, sie hat das Gesicht der Straße zugewandt und lächelt.
„Was entscheidet sich?“
Ziemlich platt, neugierig, aufdringlich, einfach ungeschickt. Mehr ist mir nicht eingefallen.
„Alles.“
Sie sagt das ernst und sehr leise, ich habe es kaum gehört. Ein Wort, das keine weiteren Fragen duldet. Sie wirkt auf einmal sehr zerbrechlich. Die Selbstsicherheit, mit der sie mich angesprochen hat – weg. Ich rücke unwillkürlich etwas näher an sie heran, habe es selbst kaum bemerkt. Sie lehnt ihre Schulter ganz kurz an mich und zieht sie gleich wieder zurück. Eine kleine Geste, unsichtbar für alle anderen.
Ohne weiter zu überlegen fange ich an, zu reden.
„Ich bin heute Morgen durch den Park gegangen. Der Winter hat ihn verändert. Alles ist so ruhig und friedlich. Es ist, als würde der Schnee den ganzen Krach und all die Hektik schlucken. Und selbst hier, trotz der vielen Menschen und obwohl auf den Straßen Matschberge liegen,…“
Ich weiß nicht genau, wie lange ich geredet und wie ich die Stadt beschrieben habe, aber sie hat schweigend zugehört, bis der Bus kam.
„Der 52er. Pünktlich Fünfzehnuhrzweiunddreißig“, sage ich lächelnd, bemüht, meinen „amtlichen“ Tonfall zu wiederholen und ironisch klingen zu lassen.
Sie lächelt kurz zurück, wird dann ernst.
„Danke.“
Ohne ein weiteres Wort, ohne Verabschiedung steigt sie ein, die Türen schließen sich, der Bus fährt ab.
Und ich? Ich schlendere weiter, verweile, schaue, rieche, höre und freue mich auf die nächsten Minuten, Stunden, Tage.


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Henry Miller, aus einem Interview in den 60-iger Jahren
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