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Polizei
Geschichten
Autorin: Kati Jahn
Eingestellt am: 05.10.2005
Ich habe lange nachgedacht. Warum nur sind die vielen Geschichten, die mir einfallen, so traurig?
Vielleicht, weil die traurigen, belastenden Bilder viel länger in Erinnerung bleiben. Weil nicht nur die Bilder, sondern die Geschichten dahinter, die menschlichen Schicksale mich beschäftigen.
Ich werde sie nicht mehr los, die Gedanken. Die Toten, die Zurückgebliebenen, die vergessenen, betrunkenen, enttäuschten, verletzten Menschen geistern durch meine Erinnerung. Bei jedem meiner Schritte trage ich sie in meinem unsichtbaren Rucksack durchs Leben. Teils einzeln, teils gut verpackt in schützender Folie. Gut verstaut, gleich neben meiner Scheidung (Schatz, der Schichtdienst, wir sehen uns kaum und wenn, dann bist du immer so müde...). Und neben der Erinnerung an den Kollegen, der sich das Leben nahm, weil Alkohol und Einsamkeit übermächtig waren (G., ich hoffe, es geht dir besser, da wo du jetzt bist!).
Mit jedem Dienstjahr wird der Rucksack voller und drückt schwerer auf meine Schulter. Würde ich die Erinnerungen auspacken, eine nach der anderen, und daraus ein Drehbuch schreiben...keiner würde es verfilmen wollen.
Zu überladen. Zu unglaubwürdig. Zu viel auf einmal. Zu depressiv. Aber leider keine einzige Seite erfunden.
Natürlich. Ich lache viel. Auch im Dienst. Polizisten haben einen ganz eigenen Humor. Aber wie soll ich davon erzählen, ohne von den Bedenkenträgern verurteilt zu werden?
Von der Frau, die regelmäßig die Wache anruft, weil sie vergewaltigt wird von Strahlen aus dem Weltraum. Mit einem Piepen des Funkgeräts durch den Telefonhörer wird das Strahlenschutznetz der Telekom aktiviert. Die Dame ist zufrieden. Wir auch.
Von dem Mann, der den Streifenwagen für einen Hubschrauber hielt und mit seinen Fragen nach Flughöhe und Länge der Rotorblätter den Kollegen und mich abwechselnd hinaus in die Kälte trieb, weil uns vor unterdrücktem Lachen die Tränen kamen.
Von autoerotischen Unfällen jenseits meiner Fantasie, so absurd, dass sie kaum zu schildern sind.
Davon, wie ich einmal einen Tamilen ansprach, er solle besser seine Fahrradbeleuchtung einschalten, da er im Dunkeln eh' schon so schlecht zu sehen sei. Dass ich das wegen seiner dunklen Bekleidung gesagt hatte, glaubte mir weder der Tamile noch der Kollege, der sich zum Lachen hinter dem Streifenwagen versteckt hatte.
Humor, so schwarz, dass man selbst dann nicht auf der Party davon erzählen könnte, wenn es keinen Datenschutz gäbe.
Mache ich mich etwa lustig über Leid und Krankheit anderer Menschen?

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... Was ist Original? Alles was wir tun, alles was wir Denken existiert bereits und wir sind nur Vermittler. Das ist alles. Wir machen von dem Gebrauch was bereits in der Luft ist."
Henry Miller, aus einem Interview in den 60-iger Jahren
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