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Mein persönlicher Geist
Autor: Wolfgang Sahmel
Eingestellt am: 26.09.2005
Seite 2 von 2

Frank und ich untersuchen den Kopf der Frau, sie atmete und schaute uns plötzlich an. Doch sie schien uns nicht zu erkennen, der Blick war irgendwo in die Ferne gerichtet. Wir konnten am Kopf keine Verletzungen finden. Aber da war doch Blut! Vorsichtig wollen wir sie um-drehen, sie wog ja nichts, das junge Ding. Wir fassten ihr unter den Rücken und schreckten zurück. Unsere Hände trieften vor Blut! Jetzt schnell gehandelt, wir erkannten im Rücken, direkt am Verschluss des BHs einen Einstich. Die Frau ist mit einem Messer gestochen wor-den!
RTW und Notarzt treffen ein.
Als die Frau im RTW liegt legen wir mit Zeugenbefragungen und erster Spurensuche los, Kripo und Unterstützung wird angefordert.
Etwa zur gleichen Zeit muss sich wohl Janos auf den Weg gemacht haben. Nachdem der An-ruf der Freundin ausblieb und er beim Rückruf erfuhr, dass Maria noch nicht da sei, lief er los. Er hastete gerade den kleinen Weg herauf, sah zuerst den Krankenwagen, dann die Polizei und dann den umgestürzten Kinderwagen seines Kindes. Er erkannte wohl sofort, dass das schreiende Bündelchen, welches die Frau in ihren Armen wog, sein Kind war.
Genau in dem Augenblick ging die Tür des Krankenwagens auf. Hatte er vielleicht einen Blick auf seine Frau darin erhascht? Er sah den Arzt, der auf mich zuging. Dieser schüttelte den Kopf. Janos hat sofort die Bedeutung dieser Geste erkannt!
Jetzt, genau jetzt wurde er zu „meinem persönlichen Geist“. Irgendwie und irgendwann hätte ich wohl das bis jetzt Geschehene verarbeiten können. Aber niemals werde ich diesen schrecklichen, tief aus der Seele kommenden Schrei vergessen, den Janos ausstieß. In diesem Schrei war die ganze Verzweiflung, das ganze Elend körperlich zu fühlen. Dieser Schrei schien endlos anzudauern. Währenddessen taumelte er wie betrunken auf den Krankenwagen zu, der Arzt und Frank konnten ihn gerade noch vor der Tür auffangen, ehe er zusammen-brach.
Die umherstehenden Gaffer, in deren Augen zuvor die Sensationslust erkennbar war, hatten schneebleiche Gesichter.
Ich spürte den Drang mich zu übergeben, zu weinen, in Wut auszubrechen. Es war die reine Explosion der Emotionen.
Seit diesem Tag „besucht“ mich Janos in schlechten Nächten. Sein Besuch beginnt immer mit diesem Schrei. Gottlob passiert dies nur sehr, sehr selten. Manchmal ein Jahr lang nicht, dann auch schon mal an aufeinander folgenden Tagen. Ich suche dann immer den Halt in meiner Familie, rede mit meiner Frau. Wenn wir uns gestritten haben sollten, entschuldige ich mich schnell bei ihr.
Anhand der Spuren und der Ermittlungen ergab sich später folgender Tatablauf:
Ein junger, psychisch kranker Mann war soeben als „geheilt“ entlassen worden. Nun lauerte er im Bereich Bochum / Hattingen Frauen auf, um seinen Hass auf dieses Geschlecht loszu-lassen. Ihm war vollkommen egal, wie alt, wie groß, welche Hautfarbe. Er suchte sich einen Platz, wartete auf eine vorbeigehende Frau und griff diese mit dem Messer an. So fielen ihm mehrere Frauen zum Opfer, bis er gefasst und wieder eingewiesen werden konnte.
Eines seiner Opfer war Maria und auch Janos – und in gewisser Weise auch ich.
Auf jeden Fall so lange, wie mich mein persönlicher Geist noch besuchen wird!


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