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Mein persönlicher Geist
Autor: Wolfgang Sahmel
Eingestellt am: 26.09.2005
Ich bin schon seit dreißig Jahren Polizist, davon sechsundzwanzig im Wach- und Wechsel-dienst. Ich glaube sagen zu können, dass ich schon sehr viel erlebt habe – Gutes und weniger Gutes, ja auch sehr Schreckliches. Doch es gibt da etwas, was mich nie losgelassen hat, was immer wiederkehrt – mein persönlicher Geist.
Er kommt immer in der Nacht, immer dann, wenn es mir „nicht so geht“. Vielleicht kränkele ich etwas, oder habe mich mit meiner Frau wegen einer Nichtigkeit gestritten oder der Dienst war besonders aufregend und anstrengend. Ich wache dann mitten in der Nacht auf, weil der Geist diesen markerschütternden Schrei ausgestoßen hat. Ich bin schweißgebadet und der Schlaf ist für den Rest der Nacht vorbei. Ich lasse dann das Erlebte Revue passieren, ich bin wieder da.
Ich kann mich nicht mehr genau an die Zeit erinnern, es ist aber sicher mehr als fünfzehn Jah-re her. Auch Namen sind verflogen, ebenso Gesichter, vielleicht will ich mich daran auch nicht mehr erinnern.
In unserer Stadt mit etwa 60.000 Einwohnern herrschte Frieden. Es war die Zeit, als viele so genannte „Spätaussiedler“ zuzogen. So auch ein junges Ehepaar aus Polen mit ihrem kleinen Baby – nenne wir sie der Einfachheit halber Maria und Janos. Beide hatten eine vorläufige Bleibe in einer von der Stadt umgebauten Gaststätte gefunden. Janos bemühte sich um Arbeit, Maria kümmerte sich um das Baby. Maria hatte noch große Angst in dem fremden Land, der fremden Stadt, sprach sie doch kein Wort Deutsch. Sie besuchte nur täglich eine Freundin, die etwa einen Kilometer entfernt in einem anderen Ortsteil wohnte. Sie machte dann immer ei-nen Spaziergang mit dem Kinderwagen, ging immer denselben Weg, wich niemals ab, denn sie kannte sich nicht aus, sprach die Sprache nicht. Zur Sicherheit rief die Freundin immer bei Janos an, wenn Maria angekommen war. Dann war es Janos wohler.
An diesem Tag sollte es aber ganz anders kommen.
Als Maria sich auf den Weg machte, nahmen mein Kollege Frank und ich gerade einen Ver-kehrsunfall auf. Es war ein sonniger Tag, die Welt schien in Ordnung zu sein. Der Unfall war eine Lappalie, niemand regte sich groß auf. Kurz bevor wir die Aufnahme beendeten, muss Maria wohl gerade in den kleinen Weg eingebogen sein, der von einer Hauptstraße durch ein kleines Waldgebiet nach etwa einhundertfünfzig Meter in die Wohnsiedlung mündete.
Wir stiegen gerade in den Streifenwagen ein, als wir über Funk gerufen wurden.
„Fahrt doch mal schnell zur Querstraße 6. Da soll eine junge Frau schwer auf einer Treppe gestürzt sein, starke Kopfverletzung. RTW ist unterwegs!“
Kein Problem, Frank und ich standen je mal gerade 300 Meter von der Stelle entfernt. Gute drei Minuten später waren wir da.
Wir wurden von einer Frau erwartet, die ein schreiendes Baby auf dem Arm hielt. Vor ihr lag auf dem Boden eine junge Frau, die sich nicht bewegte. Während wir uns sofort um die Ver-letzte kümmerten erzählte sie, wie die junge Frau – mit dem Baby auf dem Arm – die acht Stufen zum Hauseingang Querstraße 6 hinaufging um wohl an der Haustüre zu klingeln. Ge-rade als sie auf einen Knopf drücken wollte fiel sie rücklings die Stufen hinab und schütze beim Fallen nur noch ihr Baby. Die Frau nahm dann das schreiende Baby und rief um Hilfe, Nachbarn riefen die Polizei.


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