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Strike the poser
Autor: Andreas Lämmle
Eingestellt am: 05.06.2005
helen
duval
kleiner junge

SZENE I - gunther von hagens an der oboe. ruheschock. stehkonvent der desperaten. bei offenem fenster: die beiden protagonisten. „ein bisschen schillers geist einfangen“

duval: „bücher, bücher, in einem fort. und nichts als das. unsereins umgibt sich mit menschen. nicht aber du. du liegst der welt zum trotze in deinem gemach, verlies möcht ich es nennen. willst du denn der welt, dem leben, dem moment entfliehen?“

helen: „des körpers existenz auf dauer befristet. ich enthebe mich dem moment, suche die ruhe. nichts als das. existenz misst sich an der ewigkeit. die meisten menschen gibt es nicht. wie auch ich, so umgibst du dich mit nichts. während du allerdings deine zeit an illusionen verschwendest, deinen geist verneinst, so widme ich mich der realität, alter freund. eines tages, zu existieren beginnen...“

duval: „die ruhe ist dir schädlich. das ist offensichtlich.“

helen: „die ruhe schlug mich an die schläfe, entzog mir sicheren halt auf der erde. mein kopf ward mit bildern gefüllt, so schwebte ich durch den raum. ungebunden, frei. von der ewigkeit schönem kusse verzückt, bin ich seither damit beschäftigt, die bilder niederzuschreiben. ich will die welt nicht eher verlassen, als ich zu existieren begonnen habe. (betrachtet ihr glas, schließlich:) dessen bin ich mir sicher!“ (schüttet den inhalt aus dem fenster in den garten)

duval: „wie die vergangenheit, so ist auch die zukunft und, ihnen gleich, die ewigkeit zu verneinen. ich habe bis hierher nun gelebt, für diesen moment. das weiss ich. was interessiert mich die welt von morgen? ich kann dir versichern, sie interessiert mich in dem maße wie mich die gestrige welt interessiert. allein die frage nach des trankes geschmack steht noch aufrecht da. die wirkung? so stelle es mit mir an was es wolle. die zukunft gibt es erst, wenn sie zur gegenwart geworden und erfahrbar ist. geister sind meine sache nicht. (betrachtet sein glas, schließlich:) möge es die verdörrte erde des ewigen jetzt tränken, auf dass endlich mein glück heraus entsprieße. endlich glück. darin sind wir bruder und schwester. suchst du es aber in der ewigkeit, so suchst du ewig, meine liebe. für mich macht nun alles sinn, mein warten hat ein ende. mein leben findet seine krönung, seinen abschluss im jetzt und hier. logische konsequenz aus allem bisher. nur in dieser form, erlösung!“ (schüttet das glas hinunter)

helen: „da liegst du nun, hauchst dein leben in den abendhimmel, ohne je existiert zu haben!“

kleiner junge: (geht zwischen gunther von hagens und dem fenster auf und ab) sing a song, song a sing... (hält inne) a song sing, a sing song! (setzt seine promenade fort) sing song a, song sing a... (lacht auf, blickt auf die leiche) song ... sing ... a ... a ... a!“
(vorhang)

SZENE II - gleicher raum, wenig später. gunther von hagens geht mit einem hut herum.

helen: „tod, tod, immer wieder tod. reiche mir blatt und feder, ich will die welt verändern! (reckt die geballte faust gen himmel, dann nachdenklich:) angesichts meines verschiedenen freundes will ich diesmal nicht trauer aufkommen lassen. jenes ehrlichste aller gefühle wäre nur... ich hüte meine brust, gebe mich dem schreiben hin. kann ehrlichkeit nun gerade nicht gebrauchen, gehe nun hin, die welt belügen. eine lüge, ja. ist sie es doch, die mich am schreiben, ja am leben hält, nicht verzweifeln, nicht den verstand verlieren, bloss nicht den verstand verlieren.“

kleiner junge: “to avoid desperation, that’s what it’s all about!”

(vorhang)


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