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Atemzug
Autor: Ulrich Hefner
Eingestellt am: 16.03.2005
Dieser Text im pdf-Format: Atemzug.pdf (12 kByte)
Seite 2 von 3

Sie hätte es gerne gehabt, wenn ich etwas Handwerkliches gelernt hätte. Zimmermann, so wie Vater, oder Bäcker, so wie Onkel Hugo. Doch ich wollte ja nicht hören. Ich musste ja unbedingt studieren. Computertechnik. Von Computern hielt sie nicht viel.
„Den ganzen Tag sitzt du vor einem kleinen Fernseher und tippst Buchstaben und Zahlen in einen kleinen grauen Kasten. Ich weiß nicht, wozu das taugen soll. Außer dass du dir die Augen ruinierst“, hatte sie mir einmal gesagt.
Und heute, heute funktionierte nichts mehr ohne diese kleinen grauen Kästen. Aber was war schon Zeit und Fortschritt in ihren Augen.
Damals, als ich noch etwas erreichen wollte, hing ein Spruch in meinem Zimmer, direkt über dem Klassenfoto der Abschlussklasse.
„Stillstand ist Rückschritt“, stand darauf in großen roten Lettern geschrieben. Einer dieser Spontisprüche aus der Studienzeit. Ziele haben, Ziele definieren. Einen Ansporn haben, etwas erreichen wollen, darum ging es uns.
Als sie den Spruch las, schüttelte sie nur den Kopf.
„Und wann kann man den Augenblick genießen, wenn man immer nur vorwärts geht? Wann ruht man sich aus vor all der Hast? Wann kann man Atem holen. Einen kleinen Atemzug und sich an dem erfreuen, was man erreicht hat?“ fragte sie lächelnd.
Damals dachte ich nur, was weißt du schon vom Leben. Doch mittlerweile weiß ich, dass sie Recht hatte.
Immer nur vorwärts blicken, eilen, hasten, keine Zeit mehr haben. Wofür?
Ist das Leben nicht mehr als eine ständige Suche nach neuen Erfüllungen.
Als sich damals Marion von mir trennte, ging ich zu ihr, um zu reden, um all meinen Schmerz hinauszuschreien. Sie verstand mich. Sie war meine Freundin in guten und in schlechten Tagen.
Als Vater damals starb, waren wir alle betroffen, doch am meisten tat es mir für sie leid. Alleine in dem großen Haus. Niemand mehr, den sie umsorgen konnte, für den sie kochen, waschen und putzen konnte. Doch sie war es, die damals sagte: „Lebt euer Leben, ich bin schon alt und habe meine Zeit auf dieser Erde gehabt. Ich will nur, dass ihr mich besucht und mir von euch erzählt. Ich komme schon klar.“
Dennoch fuhr ich mit einem schlechten Gewissen zurück in die Stadt. Hatte sie nicht all ihre Zeit für uns, für die Kinder geopfert und nun, wo sie etwas von unserer Zeit verdient hatte, verließen wir sie, ließen sie alleine – ließen sie im Stich ...
Ein Wagen scherte vor mir aus und riss mich aus meinen Gedanken. Ich bremste scharf. Dann fiel mein Blick auf den Wegweiser. Ich war kurz vor meinem Ziel.
An der nächsten Ausfahrt fuhr ich von der Autobahn ab. Noch drei Kilometer.


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Henry Miller, aus einem Interview in den 60-iger Jahren
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