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Der Herrgottsrichter
Autor: Herbert Schäfer
Eingestellt am: 09.03.2005
Seite 2 von 2

weißgepuderten Bergspitzen erkennen und denken: „Heuer gibt`s einen frühen Winter“ und er konnte auch noch am fallenden Corpus vorbei erschrocken rufen: „Zifix no amol“ – und dann hatte ihn wohl die unbewachte rechte Holzhand des Herrgott voll an der Stirn erwischt. Oder der Herrgott hatte ihm einen Kopfstoss verpasst? Er ging zu Boden. Die kleinen Sünden straft der Herr sofort, die großen etwas später. Damit war aber wohl der jähe, kleine Fluch, mehr ein Unmutslaut, abgebüßt. Da der Schlag kein leichter war, musste er jetzt noch vielleicht etwas gut haben. Der junge Pfarrer, dem er die Geschichte berichten würde, mochte kirchenoffiziell keine Flüche leiden. Einmal im Jahr wetterte er gegen den Missbrauch heiliger Namen im unbeherrschten, zornigen Fluch. Wer in der Nähe der Kanzel saß, wer genau hinhörte, wer ihm während der Donnerworte in die Augenwinkel sehen konnte, wo seit seiner Studienzeit ein paar lustige Nachtfalten nisteten, der mochte freilich seine Zweifel haben. Rutschte dem in seiner Freizeit heimwerkenden und gartelnden Pfarrer nicht auch gelegentlich ein himmelstürmend derbes Wort heraus? Kam ihm nicht doch mal ein geschimpfter unheiliger Notschrei aus, wenn der Hammer den Finger statt des Nagels getroffen hatte.
Der Gendarm drückte sich mühsam unter dem Herrgottskörper heraus. Er schlug den Lößstaub des trockenen Feldweges aus seiner Uniform, hob den schweren Corpus und lehnte ihn gegen den Kreuzstamm, so dass der Herrgott nicht im Schmutz liegen musste. Dann sagte er nach innen: „Gott sei Dank, des isch guet ganget“, schulterte seinen Karabiner und marschierte langsam auf die nächsten Häuser zu. Auf der alten Adler mit den zerhackten Großbuchstaben hämmerte er seinen Dienstunfallbericht, nachdem ihn der Doktor wegen einer contussio cerebralis ins Bett geschickt hatte. Es wurde als Dienstunfall anerkannt, dass der gefahrdrohende Herrgott ihn bei der polizeirechtlich notwendigen Gefahrenbeseitigung niedergeschlagen und verletzt hatte.
Bis zu seinem Lebensende – der Herrgottsrichter starb mit achtzig – erzählte er in bierseliger Männerlaune diese Geschichte in unterschiedlicher Buntheit noch oft. Das Kreuz war schon längst unter den unachtsamen Kindeskindern verschwunden. Die Zuhörer lachten bei der Geschichte immer wieder und dann und wann meinte einer, er sei ein wichtiger Zeitzeuge.


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