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Blaulicht und Mascara (aus Kapitel 20)
Autorin: Simone Meinhardis
Eingestellt am: 03.10.2002
Dieser Text im pdf-Format: blaulichtundmascara.pdf (30 kByte)
Seite 4 von 4

Ich glaube nicht, daß er vorhatte, Rudi zu töten, aber er hätte erkennen müssen, daß er dieses Risiko mit seinem Fahrmanöver eingeht. Vermutlich wird es letztendlich aber nur auf fahrlässige Tötung hinauslaufen, aber ein paar Jahre wird er trotzdem in den Knast wandern."

Er nahm einen Schluck Kaffee und sah auf die Uhr, während ich nachdenklich in meiner Tasse rührte. "Sag mal, hast Du eigentlich manchmal Angst im Dienst?" fragte ich ihn dann, "Angst, daß Dir oder Deinem Streifenpartner etwas passieren könnte?" Max lächelte. "Denkst Du, wir sind alle als James Bond und ohne Furcht auf die Welt gekommen ? Selbstverständlich habe ich auch manchmal Angst ! Das ist doch vollkommen normal und geht jedem so, ohne Ausnahme!" Ich nickte.
"Schon, aber wenn ich die Jüngeren so höre, zum Beispiel meine Kollegen in der Bepo, dann könnte man immer meinen, daß von denen nie einer mal die Hosen voll hat! Ich habe noch nie erlebt, daß einer sich mal Gedanken darüber macht, ob ihm was passieren könnte; deshalb ist es mir manchmal peinlich, wenn ich mich selbst dabei ertappe, daß mir im Dienst das Herz klopft. Ich habe dann immer Bedenken, daß ich für den Beruf vielleicht nicht geeignet sei."

"So ein Humbug!" winkte mein Kollege ab, "ganz im Gegenteil! Nur ein Dummkopf hat nie Angst, merk Dir das! Wer ab und zu mal Angst hat und sie überwindet, der übt diesen Beruf sicher viel bedachter und vorsichtiger aus als die jungen Draufgänger, die blindlings in jede Gefahrensituation hinein rennen nach dem Motto: Was kostet die Welt, und wer will jetzt eine auf die Schnauze??! Nur, wer sich der Gefahren in diesem Job bewußt ist und es auch bleibt, der hat eine gute Chance, immer wieder gesund heimzukommen."

"Glaubst Du, Rudi hatte auch manchmal Angst?" fragte ich. Max zuckte mit der Schulter. "Keine Ahnung, aber man kann nicht sagen, ob er noch leben könnte, wenn er in dieser Situation welche gehabt hätte. Weißt Du, eine Fahrzeugkontrolle ist einerseits etwas, das wir ständig und tagtäglich machen, also eine Routineangelegenheit. Andererseits birgt gerade eine Fahrzeugkontrolle, genau wie eine Personenkontrolle, eine besondere Gefahr, weil wir sehr nahe an das uns unbekannte Gegenüber heran müssen. Wir wissen ja nie, wen wir da vor uns haben."

Das hatte Herr Vogt im PDK-Unterricht auch immer gesagt; jetzt verstand ich besser, weshalb er auf das Thema "Eigensicherung" stets so großen Wert gelegt hatte. Etwas lag mir noch auf dem Herzen. "Max, hast Du es eigentlich jemals bereut, Polizist geworden zu sein? Wenn so etwas passiert ist wie jetzt Rudi, zum Beispiel? Und wie bist Du mit solchen Ereignissen fertiggeworden?" Mein Bärenführer trank seine Kaffeetasse leer und drückte die Zigarette im Aschenbecher aus.

"Bereut? Nein, Mona, bereut habe ich meinen Entschluß nie. Es gab auch für mich manchmal sehr tiefe Tiefen in den fünfundzwanzig Dienstjahren, die ich jetzt auf dem Buckel habe, Zeiten, in denen es mir hundeelend bei der Polizei ging. Das waren persönliche Krisen, Ärger mit den Vorgesetzten oder Kollegen. So etwas gibt es immer mal wieder, bei jedem. Manchmal landet man auch auf Schichten, wo man morgens schon Bauchweh hat, wenn man zum Dienst gehen muß. Ich persönlich habe es dann immer so gehalten, daß ich jedesmal, wenn ich hinten durch die Eingangstür ins Revier kam, vor mich hingesagt habe: "Ich bin gern Polizist! Ich bin gern Polizist!"


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