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Polizei
Anschlag auf den Maschsee
Autor: Detlef Ehrike
Eingestellt am: 08.12.2004
Es ist ein heißer Sommernachmittag, dieser 15. Juni 1980, und Hannover scheint wie gelähmt von der brütenden Hitze. Schon wochenlang hat sie sich in den Straßenschluchten festgekrallt. Die Straßen in der City der Landeshauptstadt sind nahezu menschenleer, nur wenige Menschen trauen sich nach draußen, um ihren Geschäften nachzugehen. In den Freibädern aber brodelt das Leben und das Geschäft mit der Hitze; denn Wasser jeglicher Art ist in solchen Zeiten sehr begehrt, besonders im, auf und am Maschsee. Neben kleinen Segelbooten ziehen wie gewohnt die Schiffe der Maschseefloote ihre Kreise. Ihre Planken sind voll besetzt mit Erholungssuchenden, die wenigstens mal für einen Nachmittag die angenehmen Seiten der Hitzewelle bei gut temperierten Getränken und Musik genießen wollen. Am Nordufer und im Bereich des Funkhauses werden zusätzliche Verkaufsstände, Bierzelte und Musikpavillons für kommende Festivitäten aufgebaut. Sorglos und vergnügt plantschen Kinder im Strandbad am Südufer mit ihren Eltern im Wasser und niemand ahnt, dass sich hier in den nächsten Tagen das vielleicht größte Verbrechen der hannoverschen Nachkriegsgeschichte anbahnen wird.

Auch in der kleinen, ungastlichen Kripowache an der Jordanstraße herrscht Leben, allerdings erheblich gedämpfter als am Strandbad. "Traurig", brummt Kriminalkommissar Sigurd Silberschnalle vor sich hin und lässt die Rolläden herunter. "Draußen knallt die Sonne und andere erquicken sich in den Freibädern.Wir aber braten hier unter dem grellen Neonlicht. Wenn wenigstens mal das Telefon....," ärgert sich "Jack" -so nennen ihn seine Kollegen- weiter. "Da hast Du den Salat," amüsiert sich der junge Kriminalmeister Hans Heister und packt den Aktenordner mit den zerfledderten Fernschreiben beiseite, als das Telefon tatsächlich schrill die Ruhe unterbricht. "Hättest du man bloß nichts gesagt - nachher bekommen wir mehr Arbeit, als uns lieb ist, und zum Schluss ist sogar noch der Feierabend im Eimer."

Jack verdreht die Augen, als er den Hörer abnimmt und sich eine Stimme meldet: "Hier ist Dieter - ich habe doch erst vor ein paar Tagen mit Ihnen gesprochen, nicht wahr?" Kommissar Sigurd Silberschnalle erinnert sich. Natürlich erinnert er sich. Dieser Anrufer, ein kleiner und umtriebiger Zinshahn, ist bereits auf der Dienststelle als "Ufo-Dieter" bekannt und nervt ab und zu die Kollegen mit seinen imaginären Beobachtungen. "Ach ja, Ufo-Dieter, stimmt's?" "Stimmt! Und die Ufos sind wieder ganz in der Nähe!" "Ich werde mal versuchen, mit ihnen Kontakt zu bekommen," amüsiert sich Jack, nimmt den Hörer des zweiten Telefons und hält ihn gegen den anderen. Ein abscheuliches, nerventötendes Pfeifen entsteht und der Kriminalbeamte teilt Ufo-Dieter mit: "Haben Sie's gehört? Ich habe die Ufos auf meinem Radarstrahl. Es gibt dort keine Probleme." Ufo-Dieter ist happy und verspricht, sich so schnell wie möglich wieder zu melden, wenn es Neues von den Ufos gibt. "Eigentlich eine Gemeinheit," kritisiert Jacks Kollege hinterher. "Der Mann ist doch krank - und du veräppelst ihn!" Kommissar Silberschnalle will noch etwas erwidern, doch plötzlich betritt ein offensichtlich stark aufgeregter Besucher mit schnellen trippelnden Schritten, wichtiger Miene und stechendem Blick den Vorraum zur Kripowache.

Es ist Dagobert Duckmäuser, ein aufrechter Hühnerhabicht, der dem Kommissar einen Zettel mit aufgeklebten Buchstaben zeigt. Ungläubig blickt Silberschnalle auf das Papier und erstarrt kaum merkbar, als er darauf den Spruch 'Ihr schnappt mich nicht' liest. Das ist eindeutig sein modus operandi, die Handschrift von Wyoming-Jack. Silberschnalle streift sich wortlos Gummihandschuhe über, steckt den von Duckmäuser überreichten Papierbogen in ein durchsichtiges Kunststoffcouvert und bittet ihn dann sofort ins Vernehmungszimmer. Sollte da sein alter Widersacher Woyming-Jack, der maskierte Höckerschwan, nach Jahren der Versenkung wieder aufgetaucht sein? Plant er etwa neue Verbrechen? "Das war's," raunt der Kommissar im Vorbeigehen leise seinem Kollegen ins Ohr, "trete schon mal unseren Feierabend in den Eimer!"

Ohne äußerliche Regung beginnt Silberschnalle mit der Anhörung des Zeugen, die ziemlich schnell vorbei ist. Er bedankt sich bei Duckmäuser mit betont gleichgültiger Miene: "Sicher irgend so ein Unfug des halbstarken Federviehs. Sollten lieber Doppeldotter-Halma spielen. Na ja, wir werden trotzdem dieser Sache gezielt nachgehen." Dann spannt er hastig einen Bogen Papier in die antiquierte Schreibmaschine und schreibt alles in Protokollform nieder:

"Heute, gegen 17.00 Uhr, erschien unaufgefordert Herr Dagobert Duckmäuser, geb. 03.12.1961 in Habichthausen, wh. 3000 Hannover, Sperbergasse 7, und überreicht den beigefügten Zettel. In ausgeschnittenen Zeitungsbuchstaben sind darauf folgende Sätze geklebt:

Hunderttausend Mark oder ich lass das Wasser aus dem Maschsee




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