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Polizei
Anschlag auf den Maschsee
Autor: Detlef Ehrike
Eingestellt am: 08.12.2004
Seite 2 von 3

Herr Duckmäuser gab an, dass er sich gegen 16.00 Uhr anlässlich einer Vollmassage im Strandbad Maschsee aufgehalten habe. Zu diesem Zeitpunkt hätte ein Schwarm quergestreifter Hanghühner und diverser linksgescheitelter Schrumpfkopfhennen das Strandbad aus Richtung Stadion überflogen. Er habe diesem Schwarm zunächst keine besondere Beachtung geschenkt. Erst als er ein hämisches Gefiederwispern vernommen habe, habe er sich den Schwarm näher angespäht. Im sei dabei ein Höckerschwan aufgefallen, der vermutlich eine Sonnenbrille bzw. eine schwarze Augenbinde mit Sehschlitzen trug. Auffällig sei allerdings sein hämisches Gegrinse sowie glitzernde Partikel in seinem Gefieder gewesen. Jeweils links und rechts neben dem Schwan seien zwei besonders schöne Exemplare Graue Haubenreiher geflogen, die mit ihren Schnäbeln jeder eine grüne Plastiktüte mit den Aufklebern "Stoppt das Wettfressen mit Weihnachtsgänsen" getragen hätten.

Direkt über Herrn Duckmäuser hätte der Höckerschwan aus seiner verborgen angebrachten Brustfedertasche einen Zettel gezogen und diesen zu Boden schweben lassen.

Wegen Duckmäusers Vollmassage sei sein eigenes Gefieder noch nicht trocken gewesen, zumal der Masseur fälschlicherweise teure "ungarische Bartwichse" und kein echtes Massageöl benutzt habe. Deswegen wird Herr Duckmäuser gesondert Anzeige wegen Verdacht des Betruges erstatten. Er sei deshalb auch nicht in der Lage gewesen, die Sofortverfolgung des verdächtigen Schwarms auf eigener Schwinge aufzunehmen."

Unendlich langsam, fast widerstrebend stiefelt Silberschnalle an seinen eigenen Schreibtisch, zieht eine knarrende Schublade auf , blickt nachdenklich auf die bereits leicht angegilbte Phantomzeichnung des Wyoming-Jack und murmelt leise vor sich hin: "Du verdammter smarter Hinterhältling, einmal muss ich dich doch kriegen. Jetzt hast du eine handfeste Erpressung zum Nachteil der Landeshauptstadt Hannover hingelegt. Unvorstellbar: der Hannoveraner mit seinem Maschsee ohne Wasser. Alle Festivitäten müssten abgeblasen werden, keine Wasserspiele, kein Segeln. Null Erholung. Und das im Hochsommer und bei dieser Wetterlage! Stattdessen Stress ohne Ende." Und dann wird der Kommissar aktiv. Er schickt seinen Kollegen Hans Heister mit dem Erpresserschreiben auf den üblichen Weg: "Bring das mal sofort zum Erkennungsdienst rüber und lass es auf Federabdruckspuen untersuchen. Ich möchte auch wissen, mit welchem Kleber die Buchstaben aufgeklebt sind und wenn möglich, bei welchen Tageszeitungen sie Verwendung finden! Und noch eins: Das ist eine Sofortsache!"

Umgehend wird beim Erkennungsdienst das Erpresserschreiben auf mögliche verwertbare Spuren untersucht und das Papier mit Rußpulver sanft eingestrichen. Vorsichtig wird mit Wasserdampf ein aufgeklebter Buchstabe abgelöst und das Klebemittel bestimmt. Die Ergebnisse sind schnell da. Unten rechts wird auf dem Blatt ein dem Kommissar bereits bekannter Bürzelabruck sichtbar und: "Das Klebematerial enthält große Anteile von gepresster Eulenscheisse und die Buchstaben sind aus den drei hannoverschen Tageszeitungen HAZ, NP und BILD herausgeschnitten," teilt Heister dem Kommissar das vorläufige Untersuchungsergebnis mit. Silberschnalle hat endgültig die Gewissheit: Wyoming-Jack ist wieder da! "Unglaublich, dieser Abdruck ist so deutlich, dass man annehmen muss, Wyoming hat ihn absichtlich gesetzt. Und sonst ist auch alles wie damals. Der will mich wohl verarschen?", kommentiert der Kommissar das Untersuchungsergebnis.

Nach kurzem Überlegen greift Silberschnalle zum Telefon und wählt die Privatnummer seines Chefs Rudolf Rotbarsch, ein frischgebackener Kriminaldirektor und Schreibtischtäter, dessen Stärke unbestreitbar die Dienstaufsicht ist. Während Silberschnalle das Freizeichen im Ohr hat, erläutert er nebenbei seinem jungen Kollegen: "Bei der Kontrolle von Dienstreiseanträgen ist er unbestritten die Nr. 1! Auch hat er den Begriff von der 'kriminalpolizeilich adäquaten Kleidung', was immer das auch sein mag, geprägt und geht einer Kontrolle dieser Bekleidung penetrant nach." Und dann ist sein Chef am Draht: "Rotbarsch hier." "Hier spricht Silberschnalle. Herr Rotbarsch, Wyoming ist wieder aktiv geworden!" "Wie bitte? Nein, nicht doch schon wieder," haucht es dem Kommissar entgegen. Dann schildert er seinem Chef in kurzen, knappen Worten die Lage: "Wir müssen sofort aktiv werden. Das ist eine ernste Bedrohung! Stellen Sie sich die Reaktion der Öffentlichkeit und das Medienecho vor! Der Begriff von der 'machtlosen Kripo' wird da noch recht harmlos klingen! Ich trommel alle Kollegen der früheren SoKo (Sonderkommission) zusammen!" "Ja, ja, äh, nein, wegen dieser einen Sache nicht. Das muss ich erst noch einmal prüfen. Ich verstehe ja, Sie möchten wieder die SoKo "Wyoming-Jack" leiten. Aber, ich bitte Sie, Silberschnalle, " fleht Rotbarsch den Kommissar fast an," nehmen Sie sich sofort dieses Falles persönlich an. Wir müssen schnellstens Erfolge vorweisen, sonst gucken die von den Medien mich wieder so an!"

Der Kommissar hat schon verstanden und wendet sich an seinen Mitarbeiter, während er die Schublade mit der Aufschrift "Soforteinsätze" aufzieht: "Hans, packen wir mal die Badehosen ein. Rotbarsch hat uns ein erfrischendes Bad dienstlich angeordnet. Unglaublich, da gibt es doch tatsächlich immer noch die grünen Hosen mit den charmanten weißen Streifen an der Seite. Die sollen wohl eine schlanke Figur vortäuschen. Ich schlage vor, wir fangen erst einmal im Strandbad an, da soll es doch ein Pumpwerk geben." Dann machen sie sich auf den Weg zum Strandbad des Maschsees, wo sie sich unter die anderen Badegäste mischen und deshalb unverfänglich ermitteln können. Schon nach einem kurzen Rundblick stellt Silberschnalle fest: "Sieh mal da drüben grobe Richtung Pumpwerk an der Leine. Eine Ansammlung von Dreizehenrallen. Das sind doch Sympathisanten von Wyoming. Interessant!" Im Gelärme der anderen Badegäste schwimmen sie näher an das Pumpwerk heran. Dann verlassen sie das Wasser und mischen sich unter die Sonnenanbeter. "Wir warten hier den Sonnenuntergang ab und peilen dort im Wasser weiter," erklärt der erfahrene Kommissar seinem jungen Kollegen," die Rallen sind keine nachtaktiven Vögel. Dann werden wir ungestört weitersuchen können."



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