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Das erste Mal
Autor: Hans-Jochen Köpper
Eingestellt am: 24.10.2004
Da stand er, rund, hochbeinig, ein wenig aus der Mode, doch wer gibt schon was auf Trends, wer schaut auf den Preis beim ersten Mal? Er muss einem zu Diensten sein. Tadellos seine Referenzen, zeitlos seine Wölbungen, wenn gleich sie auch nicht jene erogene Ausstrahlung hatten, die seinem entfernten Verwandten aus Zuffenhausen angedichtet wurden. Adonis und Narziss hätten wohl nur mitleidsvoll über ihn gelächelt. Doch mir war er nicht nur gut genug, nein, er war das Symbol meines Erwachsenwerdens, konnte ich nun bei jeder sich bietenden Gelegenheit seine Insignien an meinem Zeigefinger lasziv kreisen lassen. Und obwohl der Fahrtwind des Lebens in sein Gesicht bereits einige Spuren gezeichnet hatte, war da sofort eine Zuneigung, die sich im Laufe der Zeit in eine echte Liebe hineinentwickeln sollte.
Seine Haut hatte im Laufe der Jahre unübersehbar gelitten, doch mit ein wenig Make-up war dem abzuhelfen, eine Aussage, die im Hinblick auf seine Herz-Kreislauf Werte wohl eher spekulativer Natur war. Zwar spürte man seinen heißen Atem, doch wenn er sich anstrengte, klangen seine Lungen vernehmlich bemüht und es war wohl eine Frage der Zeit, wann sie gänzlich zu kollabieren drohten. Hier und da zwickte es ihn auch in den Knochen, die von seiner permanenten Arbeit unter freiem Himmel bereits ziemlich morsch waren.
So ließ ich mich mit meinem Patienten ein und gönnte ihm zunächst eine Erholungskur. Das Wort „Beauty-Farm“ in den Mund zu nehmen, das klang mir immer zu despektierlich, denn es war mehr: Es war das ernstliche Bemühen ihm mittels allerlei Technik wieder auf die Beine zu verhelfen und die Ergebnisse sprachen, unter Berücksichtigung meiner damaligen Kompetenz in diesen Dingen, für sich. Die Haut glatt und glänzend, der Blick klar und doch wäre es vermessen zu behaupten, er wäre gleichsam einem Jungbrunnen entstiegen. Sein Zustand war stabil und das mit dem zweiten Frühling war nicht nur so daher gesagt.
Sein Inneres offenbarte jene schlichte Klarheit, die zu seinen besseren Zeiten en vogue war. Eine vornehme Umschreibung für das Weglassen von allem, was das Leben mit und in ihm ein wenig bequemer gemacht hätte. Gewiss, manche Sternstunde der Evolution hatte ihn gestreift, exemplarisch sei nur jenes Behältnis erwähnt, in welches man diverse Plastiktrophäen von der Schießbude stecken konnte, welche die Angebetete zuvor schnöde ignoriert hatte.

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