Kopf
Home
Idee & Ziel
Schreib einfach!
Die Texte
Die Autoren
Verein
Buchprojekte
Shop
Presse
Termine
News
Blog
Links
Gästebuch
häufige Fragen (FAQ)
Kontakt
Newsletter
Polizei-Poeten Logo
Polizei
Die Bürde mit der Würde
Autor: Herbert Schäfer
Eingestellt am: 06.09.2004
Seite 4 von 7

Er spitzte seine Kollegen thematisch an, motivierte sie zur Mithilfe, zur Suche nach einer Haftzelle in einer Justizvollzugsanstalt. Er telefonierte und telefonierte und schickte Fernschreiben an die Bezirksregierung, insistierte, schilderte die Lage, seine Bedenken, fiel seinen Gesprächspartner lästig durch die wiederholten Nachfragen. Er wollte nicht tatenlos und sehenden Auges die verfassungswidrige Verletzung der Menschenwürde hinnehmen. Er sah sich als Teil der staatlichen Verwaltung, welche durch verschlafene Missorganisation diese Lage hatte entstehen lassen. Er wollte daher alles tun, um diese unwürdige Unterbringung, deren Ende nicht verfügt worden war, zu beenden.
Am Freitag begann der Zellenaufenthalt des Angolaners. Es folgte ein Wochenende mit allbekannten „Stillstand der Rechtspflege“ und der Verwaltung. In den nächsten sechzig Stunden würde sich niemand um verletzte Menschenrechte und die Schlechtbehandlung eines Angolaners kümmern. Dessen Schicksal würde nicht einmal mehr zur Kenntnis genommen. Der Schübling war untergebracht und konnte in der Zelle mit hoheitlicher Billigung im Beton Wurzeln schlagen.
Als der Urlauber Schlosser am Montag die Lage in seiner Dienststelle prüfte, hatte sich nichts verändert. Die Kollegen hatten weisungsgemäß die von ihm gewünschte Telephonage fortgesetzt. Über die Polizei in Landau hinaus hatte aber am Wochenende kein Staatsdiener in der Hierarchie an den Inhaftierten aus Angola gedacht. Dessen Freilassung war vorsorglicher Weise fernschriftlich ausdrücklich verboten worden. Es konnten Wochen vergehen, bis die Haftbeschwerde des Rechtsanwaltes erfolgreich sein würde. Der Rechtsanwalt hatte noch am Samstag für Presseveröffentlichung zu Gunsten seines Mandanten gesorgt. Das Ausländeramt hatte eine Aufhebung des Haftbefehls – etwa mit Rücksicht auf die menschenunwürdige Unterbringung des Afrikaners – nicht beantragt. Die Missachtung des Menschen sollte also weitergehen. Den eklatanten Verfassungsbruch wollte Schlosser nicht tatenlos hinnehmen.


zurück   1  2  3  4  5  6  7   weiter
(6511)
Share in Facebook

* Aktuelles * (22.11.2017)
News:

Neue Texte:
Himmelfahrtskommando (T. Knackstedt)

Neue Autoren:

"Ich entschloß mich von dem Standpunkt meiner eigenen Erfahrungen zu schreiben, von dem was ich wusste und was ich fühlte. Und das war meine Rettung...

... Was ist Original? Alles was wir tun, alles was wir Denken existiert bereits und wir sind nur Vermittler. Das ist alles. Wir machen von dem Gebrauch was bereits in der Luft ist."
Henry Miller, aus einem Interview in den 60-iger Jahren
Newsletter
Zum Bestellen unseres Newsletters senden Sie bitte eine eMail an:
info@polizei-poeten.de

Home   Idee & Ziel   Schreib einfach!   Die Texte   Die Autoren   Verein   Buchprojekte   Shop   Presse   Termine   News   Blog   Links   Gästebuch   häufige Fragen (FAQ)   Kontakt   Newsletter   
Impressum & Datenschutz    eMail an uns

©2002..2017, POLIZEI-POETEN, Volker Uhl, Robinienweg 6, D-79189 Bad Krozingen
Besucher (seit 1.9.2002):
counter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conception


gestaltet von: Web-Conception Internet Service   www.web-conception.de