Kopf
Home
Idee & Ziel
Schreib einfach!
Die Texte
Die Autoren
Verein
Buchprojekte
Shop
Presse
Termine
News
Blog
Links
Gästebuch
häufige Fragen (FAQ)
Kontakt
Newsletter
Polizei-Poeten Logo
Polizei
Die Bürde mit der Würde
Autor: Herbert Schäfer
Eingestellt am: 06.09.2004
Seite 2 von 7

Die Haftzellen in den Justizvollzugsanstalten – siebzig Zellen standen landesweit für abzuschiebende Asylbewerber zur Verfügung – waren voll. Es waren mehr abgelehnte Asylbewerber eingesperrt worden, als geeignete Zellen in ganz Rheinland-Pfalz zur Verfügung standen. Niemand konnte die in den trostlosen Arresträumen sitzenden Menschen erlösen. Die zeitlich nicht begrenzte Einstallung auf Ausnüchterungsplätzen, open end in der noch oben offenen behördlichen Desinteressen-Skala, konnte von Schlosser nicht akzeptiert werden. Der damals 45 Jahre alte ortsansässige Polizeibeamte sah sich plötzlich in einem Dilemma.
In einer ähnlichen Lage hatte er sich einige Monate zuvor schon einmal befunden. Im März 1993 ging bei der Polizei in Landau ein Festnahmeersuchen des Ausländeramtes in Landau gegen einen Schwarzafrikaner ein, der trotz Ausreiseverfügung nicht aus Deutschland abgereist war. Der Fünfundzwanzigjährige war mit einer deutschen Frau verlobt, die von ihm schwanger war. Der Afrikaner hielt sich bei seinen Schwiegereltern verborgen. Das Aufgebot zur Eheschließung war schon bestellt. Das Ausländeramt erfuhr den Eheschließungstermin und ordnete den Vollzug des Haftbefehls beim Standesamt unmittelbar vor der Eheschließung an. Fünf Minuten vor dem Ja-Wort wurde der Bräutigam festgenommen. Das Verwaltungsgericht in Neustadt griff korrigierend ein und die Eheschließung konnte dann etliche Tage später stattfinden. Schlosser, der zwei Polizeibeamte mit der Festnahme beauftragt hatte, litt seither als Christ und hilfsbereiter Polizeiführer unter schlechtem Gewissen, obwohl er sich vordergründig formal nicht vorzuwerfen hatte. Seine erheblichen Bedenken bezogen sich auf die Verletzung des Grundgesetzes, das Ehe und Familie unter den besonderen Schutz stellt. Im vorliegenden Falle war versucht worden, administrativ auf kaltem Wege eine Eheschließung zu verhindern. Er, der Schutzmann, hatte dazu Hilfestellung geleistet. Seine Gespräche mit den Vertretern des Ausländeramtes und dem mitleidigen Standesbeamten zeigten ihm keinen Ausweg auf, um die ihm zugemutete Verletzung eines Grundrechts vermeiden zu können. Und nun gab es ein neues, gleichartiges Problem: die grundrechtswidrige Missachtung des einflusslosen Angolaners durch Dauerunterbringung in einer menschenunwürdigen Zelle.


zurück   1  2  3  4  5  6  7   weiter
(6504)
Share in Facebook

* Aktuelles * (20.11.2017)
News:

Neue Texte:
Himmelfahrtskommando (T. Knackstedt)

Neue Autoren:

"Ich entschloß mich von dem Standpunkt meiner eigenen Erfahrungen zu schreiben, von dem was ich wusste und was ich fühlte. Und das war meine Rettung...

... Was ist Original? Alles was wir tun, alles was wir Denken existiert bereits und wir sind nur Vermittler. Das ist alles. Wir machen von dem Gebrauch was bereits in der Luft ist."
Henry Miller, aus einem Interview in den 60-iger Jahren
Newsletter
Zum Bestellen unseres Newsletters senden Sie bitte eine eMail an:
info@polizei-poeten.de

Home   Idee & Ziel   Schreib einfach!   Die Texte   Die Autoren   Verein   Buchprojekte   Shop   Presse   Termine   News   Blog   Links   Gästebuch   häufige Fragen (FAQ)   Kontakt   Newsletter   
Impressum & Datenschutz    eMail an uns

©2002..2017, POLIZEI-POETEN, Volker Uhl, Robinienweg 6, D-79189 Bad Krozingen
Besucher (seit 1.9.2002):
counter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conceptioncounter by web-conception


gestaltet von: Web-Conception Internet Service   www.web-conception.de