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Netz ohne Maschen
Autor: Michael Kraus
Eingestellt am: 06.09.2004
“Ja sag mal, von dir hab ich ja ewig nichts mehr gehört. Ein Wunder das es dich noch gibt.”
Ist das wirklich wahre Freude die meine Stimme bei ihm ausgelöst hat. Ich hätte nie gedacht das wir uns so nahe standen.
“Es hätte mich nicht gewundert wenn du mit dem, Mann wie hieß der noch, der hagere Typ mit dem du früher immer rum gehangen bist? Sag nichts, ich komm gleich drauf.”
Ich kenne den Namen und sein Schicksal, aber das interessiert mich jetzt nicht.
“Klaus, genau der Klaus, der den Spleen hatte mit seinen Rollkragenpullover. Ein fertiger Typ, aber ich hatte ihn ganz gern.”
Kurze Pause, aber nicht genug Zeit für mich.
“Weißt du was, wir sollten uns alle einmal treffen, der alten Zeiten willen schon. Meld dich einfach nächste Woche wieder und ich schau das ich mir einen Tag frei halte. OK, dann meld dich einfach Anfang nächster Woche bei mir. Mach es gut, bis dann.”
Das Handy lag ruhig in meiner Hand, Verbindung beendet, und allmählich kehrte die Dunkelheit zurück, verschluckte die Worte und ließ mich allein.
Das war der zweite Anruf heute, einen dritten würde ich nicht schaffen.
Morgen würde es ein Möbelstück weniger geben über das ich stolpern könnte. Hauptsache mein Glas blieb halbvoll.
Der trockene Toast würgte in meiner Kehle. Ein neuer Tag brach draußen an, erste Strahlen berührten die Baumwipfel.
Die besten Dinge im Leben sind frei.
Es klingelt zum fünften Mal. Früher hat es nie mehr als zweimal geklingelt, bevor ich ihre Stimme hörte.
Nach dem elften Mal war mir klar das es bald nicht mehr bei ihr klingeln würde.
Dieser Versuch, allein das hat mich viel gekostet.
Ich verkroch mich, erklärte den Tag für beendet, während das Display mich über eine Neuigkeit informierte. Netzsuche.
“Holger? Ich kann es fast nicht glauben, das du wirklich bei mir anrufst.”
Ich auch nicht.
“Du solltest doch wissen in welchem Verhältnis ich zu Marianne stehe. Glaubst du sie wäre erfreut darüber das ich mit dir telefoniere nach all dem was vorgefallen ist. Ich glaube es ist besser ich lege jetzt auf und ruf bitte nicht mehr bei mir an.”
Will ich den Eintrag wirklich löschen? Ja.
Allmählich hatte ich wieder den Überblick über mein Telefonbuch.
Heute ist es kalt geworden und die Kälte würde bleiben. Das war nicht gut für den Akku. Ich nahm es mit unter die Decke, das Alphabet vor Augen, Namen bewertend. Den vielleicht noch.
“Ich hatte schon damit gerechnet, dass du dich meldest. Aber um es gleich voraus zu schicken, ich werde dir nicht helfen können. Das wenige was ich verdiene, damit kommen wir gerade so hin.”
Er hatte genug und ich jetzt auch.
“Wenn es dir wieder besser geht, dann meld dich wieder. Dann können wir über alles reden.”
Reden, ja geredet hatten wir viel. Worte die wir doch vergaßen. Versprechen, die wir doch aufgaben. Was blieb war ein leerer Speicher.
In der Nacht schreckte ich auf. Das letzte Klingeln, schrill und warnend. Akku leer, bitte aufladen. Ein frommer Wunsch und nicht mehr. Ich hielt es in der Hand bis es sich aufmachte für immer dunkel zu werden. Erneut drückte ich den roten Knopf, verkrampfte in der Anstrengung. Kein Netz erreichbar. Zugang Fremdnetz erlaubt. SOS. Zwei Millimeter zum Knopf und eine Entscheidung dagegen. Was denn sagen?
So sackte ich durch das Netz und ging.


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