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Durchgeknallt - Leseprobe -
Autor: Peter Heilmann
Eingestellt am: 04.07.2004
Dieser Text im pdf-Format: durchgeknallt.pdf (29 kByte)
Seite 3 von 7

Gemeinsam steigen sie über den stinkenden Haufen Unrat, der im Eingangsbereich des Hauses Nr. 31 liegt. Die ausgerissene Kellertüre liegt halb auf der Treppe, an der das Geländer fehlt. Die alten ausgetretenen Stufen mahnen zur Vorsicht. Ein fauliger, ekelhafter Geruch liegt in der Luft.
Im Kellergang sehen sie die Gestalt liegen. Durch die Öffnung zum Hof, wo früher einmal der Ausgang zum Garten war, fällt genügend Licht, um die nackte, fahlgelblich, fast wie eine Puppe erscheinende Leiche erkennen zu lassen.
Zwischen den beiden weit geöffneten Türhöhlen weht ein gut spürbarer Wind, der den süßlichen Geruch penetrant in ihre Nasen zwingt.
Mit einem würgenden Aufstoßen bringt Toni den eben erst genossenen Kuchen wieder ans Licht.
Weber dreht sich zu ihm hin. Ihm schießt der Gedanke in den Kopf: „Meine Güte, der sieht fast so aus wie der kaputte Typ.“
Müller erkennt auch, was mit dem jungen Kollegen los ist und sagt: „Einer muss die Leitstelle informieren. Einen Arzt brauchen wir wohl nicht mehr, denn dass der Typ hin ist, kann wohl jeder sehen. Toni, gehst Du mal hoch und gibst Bescheid, was hier los ist. Die sollen ein Beerdigungsinstitut benachrichtigen. Ach, am besten wird wohl sein, wenn die einen Zinksarg mitbringen, der Kerl läuft wohl aus, wenn der hochgehoben wird.“
Mit einem erleichterten Grinsen auf dem Gesicht wendet Toni sich ab: „Ist mir auch lieber, als hier zu warten. Ich bleib` dann oben beim Wagen, bis die vom Beerdigungsinstitut kommen. Dann kann ich denen zeigen, wo sie hinmüssen.“
Weber und Müller grinsen sich an.
Müller wendet sich dem Hofausgang zu: „Komm, wir setzen uns da auf die Treppe. Da stinkt es nicht so und wir haben auch alles im Blick.“
Mit den Füßen reinigen sie die Stufen vor und legen dann als Unterlage einige Tempotücher aus.
Müller streckt die Beine weit von sich: „So hab ich mir meinen Sonntag auch nicht vorgestellt. Na ja, immer noch besser, als so dazuliegen wie der Typ. Weißt Du eigentlich, wieso die meisten Toten, die wir finden, nackt sind?“
„Ja, hat mir mal ein Arzt erklärt“, entgegnet Weber. „Die meisten haben in der Agonie das Bedürfnis, sich auszuziehen. Aber warum und weshalb, das konnte der Arzt auch nicht beantworten.“
Inzwischen steigen um Müller dicke Qualmwolken auf. Er hat sich, wie immer in solchen Situationen, eine dicke Zigarre angezündet, wie er sagt, um den Gestank zu überdecken. Obwohl Weber Nichtraucher ist, erfreut er sich an dem Geruch der Zigarre, welcher auch ihn von dem modrigen Gestank befreit.
Eine Weile sagt keiner einen Ton. Beide sehen zu der Leiche hin und hängen ihren Gedanken nach.


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