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Wo die Liebe wohnt bleibt das Leben
Autor: Erich Seifert
Eingestellt am: 11.03.2004
Seite 3 von 3

Mit stammelnden Worten brachte die weißhaarige Frau nur schwer über die Lippen, dass sie gar nicht verheiratet waren. Die Lüftung dieses Geheimnisses, das nicht mal die neugierigen Nachbarn kannten, war ihr peinlich.
Beide trugen den Namen Engel schon seit ihrer Geburt und machten ihm auch aller Ehren.
„Wir leben schon seit 35 Jahren zusammen“, gestand Albert Engel schüchtern. Beide fühlten sich nicht wohl in ihrer Haut. Ihre strenge katholische Erziehung sah die wilde Ehe wohl als eine Sünde an.
Ich schluckte erst mal und begegnete Frau Engel sachlich: „Dann müssen Sie aber als Zeugin aussagen.“
Wiederum winkte sie ab. Nun erklärte ich dem Pärchen, dass auch eine Verlobte das Zeugnisverweigerungsrecht habe.
Ohne Worte stand der rüstige Rentner Albert Engel auf, holte aus dem Kühlschrank eine Flasche Sekt und drei Gläser aus dem Büfett. Der Korken knallte, in den Sektgläsern sprudelte es.
Der Opa erhob sich feierlich und gab im forschen Ton eines 20-Jährigen offiziell seine Verlobung mit seiner Emma bekannt.
Er hielt die abgeschafften, mit Altersflecken bedeckten Hände seiner Liebsten und gab ihr voller Scham einen zarten Kuss auf ihre Lippen.
Emma Engel wusste gar nicht, wie ihr geschah. Es dauerte ein paar Sekunden bis sie begriff. Beide blickten sich ehrfürchtig an. Emmas grüne Augen leuchteten. Kleine Freudentränchen kullerten in den Furchen ihrer Gesichtsfalten entlang.
Beide Gesichter strahlten unermessliches Glück und Zärtlichkeit aus. Sie schluchzte leise: „Darauf habe ich schon 30 Jahre gewartet“.
Der Schleier von Nähe, Wärme und Geborgenheit, eingehüllt in eine Nebelwand der Glücksgefühle, war förmlich in der engen Küche zu spüren.
Diese Lebensfreude, dieses Glücksgefühl, die traute Zweisamkeit, konnte ich nicht in Worte kleiden.
Ich war sprachlos. Mir wurde derart warm ums Herz, gerührt feuchteten mir die Augen.
Die Gläser klangen, ich sprach meinen Glückwunsch aus, packte meinen Aktenkoffer, nahm meine Schirmmütze und verließ voller Nachdenklichkeit das Hause der Engels.
Ich setzte mich ans Steuer des Streifenwagens und sagte zu mir: „ Dass muss wohl Liebe sein."
Wer lieben kann ist glücklich. Und vor allem – es ist nie zu spät dazu!


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