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Polizei
Wo die Liebe wohnt bleibt das Leben
Autor: Erich Seifert
Eingestellt am: 11.03.2004
Seite 2 von 3

Durch die wolkenbruchartigen Regengüsse und durch die schon erlahmten Scheibenwischer des alten Vehikels, konnte es schon einmal vorkommen, dass man ein von rechts heranfahrendes Fahrzeug übersah.
Und ob die großen dunklen Augen des 82 – Jährigen, die tief in der Höhle saßen, noch so richtig verkehrssehfähig waren, lassen wir mal dahingestellt sein.
Jedenfalls war ich dran, den Unfall aufzunehmen.
Ich merkte, dass es wohl nicht sinnvoll war, die 75 Jahre junge Beifahrerin und den Verursacher zum Unfallhergang zu vernehmen.
Deshalb terminierte ich mir eine Stunde des kommenden Nachdienstes vor, die Engels, so hießen die Beiden, in ihrer Wohnung aufzusuchen.
Als ich am frühen Abend am Anwesen Römerstraße 10 angefahren kam, wurde ich von dem aufgeregten Pärchen schon unter der Haustüre empfangen.
Die kleine Zweizimmeraltbauwohnung war sehr behaglich im alten Stile eingerichtet. Alles war ordentlich aufgeräumt. Jeder Gegenstand hatte seinen bestimmten Platz. Auf dem Küchentisch war eine frische, rotgeblumte Tischdecke aufgezogen. Das altbewährte Wasserschiff, das im Holzherd integriert war, dampfte und das Ofenrohr strahlte eine behagliche Wärme in den Raum ab.
Hier ist die Welt noch in Ordnung, schoss es mir in den Kopf.
Ängstlich und voller Respekt vor der grünen Hoheit, bot mir der Hausherr auf dem holzgeflochtenen Stuhl am Küchentisch Platz an.
Es war dem Greis am Gesicht abzulesen, wie er sich vor einer Strafe fürchtete. Mit solch grundehrlichen Leuten sitzt man im Polizeiberuf nicht jeden Tag an einem Tisch, dachte ich.
In diesem Moment gewannen die beiden Weißhäupter mein Herz. Ich mochte sie einfach.
Nach einem einfühlsamen Vorgespräch über Land, Leute und Wetter, kam ich dann zur Sache.
Ich verstand es sehr gut, dass der Unfallverursacher nach der Belehrung kein Wort zu Protokoll geben wollte. Es war ja auch sein gutes Recht.
Ich spürte seine Unsicherheit. Hatte er Angst, weil ich noch jung war? Befürchtete er, ich könnte ihn nicht verstehen?
Kaum hatte ich den Beamtenblick auf die Ehefrau gerichtet, winkte auch sie mit den Händen ab. Dieser Gestik entnahm ich, dass auch sie nichts aussagen wollte. Schließlich muss man sich doch dem Manne anpassen (alte Schule)- oder?
Ich machte die Zeugin darauf aufmerksam, dass sie als Ehefrau laut Gesetz auch nichts über das Unfallgeschehen berichten muss.
In diesem Augenblick erschrak sie, die Schamröte trieb ihr ins Gesicht. Ihre Hände begannen zu zittern.
Hab ich was Falsches gesagt?


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