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Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 18.02.2006:

Polizeihauptkommissar Lothar Riemer schreibt Kurzgeschichten über seine Einsätze

Das Elend im Kleinen muss einfach auch erzählt werden

Die Resonanz der Kollegen auf die Texte ist äußerst positiv / Für ein eigenes Buch fehlt die Zeit

Von Steffen Heinzelmann

Als Lothar Riemer alles zu viel wurde, griff er zum Stift. „Ich musste mir das ganze Elend, den Frust einfach wegschreiben“, erklärt der Polizeihauptkommissar. Von Hauptbahnhof und Olympiapark schrieb er, von Schlägereien und Überfällen, Nutten und Junkies. Von seinem Alltag in Uniform eben, damals Ende der 1980er als Schutzpolizist. „Das musste irgendwie raus“, sagt Riemer. Zuerst für sich. Und als Beschreibung für seine Kinder. Zwei dieser Geschichten kann jeder lesen. Für die Internetseite www.polizei-poeten.de dichten und erzählen Dutzende Polizisten. Einige davon stehen im Sammelband „Die erste Leiche vergisst man nicht“, auf das Riemer im Urlaub vergangenes Jahr gestoßen ist. „Das ist eine Plattform, um eigene Erlebnisse zu verarbeiten“, sagt Riemer, „aber auch für Kontakte untereinander.“ Ein Kollege, nennt Riemer als Beispiel, beschreibe auf der Seite, wie schwierig es ist, Angehörigen die schlechte Nachricht vom Tode eines Verwandten zu überbringen. Seine schlechten Nachrichten verschickt Lothar Riemer derzeit per Post: Bußgeldbescheide für Schnellfahrer und Drängler zum Beispiel. Riemer, der drei silberne Sterne auf den Schulterklappen trägt, ist Leiter für zentrale Verkehrsaufgaben bei der Verkehrspolizei Erding. Wenn er nicht auf dem Revier in Attaching sei, kümmere er sich um seine Familie, die Frau und die drei Töchter, „meine vier Damen“. Fürs Schreiben bliebe ihm leider kaum Zeit, sagt er. Erinnerungen Dabei hätte der Polizist viel zu erzählen. Von den Monaten an der deutschen Botschaft im Moskau des Jahres 1984. „Dort war alles verwanzt, praktisch alle russischen Mitarbeiter kamen vom Geheimdienst KGB“, beschreibt Riemer und lacht. „Sogar wenn die geputzt haben, musste immer einer von uns Beamten mit.“ Die russische Seele habe ihn aber begeistert, die freundlichen Menschen, deren kulturelles Interesse. Über seine Zeit in Kairo könnte Riemer schreiben, wo er fast ein Jahr lang ebenfalls an der Botschaft arbeitete. Orientalisch, ruhig, so viel heißer, schildert er Ägypten. Die Gefahr habe damals eher von außen gedroht. Durch Anschläge. „Dort mussten wir Pakete und Besucher nach Bomben durchsuchen“, erinnert er sich. Damals habe er noch keine Kinder gehabt, seine Frau kam ihn regelmäßig besuchen. Zuhause in Bayern engagiert sich Lothar Riemer in der evangelischen Gemeinde, noch heute hält er Laien-Gottesdienste im Altenheim. Irgendwann kam der Krieg in Jugoslawien mit allen Brutalitäten. „Meine Frau und ich haben uns gefragt: Warum macht da keiner was,“, erzählt Riemer. Und als er dann die Stellenausschreibung der Vereinten Nationen sah, „da musste ich einfach hinfahren“. Verstörte Menschen Mit Kollegen aus 32 Nationen arbeitete er als Verbindungsoffizier. Die Fotos am Büroschrank zeigen ihn mit Uniformierten aus Nepal, Indonesien und Pakistan. An der Jacke trägt er einen Pin der Uno. Schwierig sei die Arbeit gewesen, sagt Riemer: „Da war alles zerbombt, alles vermint, die Menschen waren ganz verstört.“ Riemer schluckt, spricht nur kurz von der seelischen Belastung, den Massengräbern: „Ich habe dort Tagebuch geführt. Solche Erlebnisse kann man nur schwer zu Papier bringen.“ Fernweh „Home is where my Heart is“, zitiert Riemer eine Liedzeile. Zurzeit ist er wieder hier. „Ich habe absichtlich kleinere Fälle beschrieben“, kommt er wieder auf seine Erzählungen zurück, „denn man übersieht oft das Elend im Kleinen, weil man nur das große Elend sieht“. Über ein Mädchen hat er geschrieben, das seine Mutter sucht. Und über den Zusammenbruch eines Mannes. Die Resonanz der Kollegen auf seine Texte sei sehr positiv. Für ein eigenes Buch habe er aber keine Zeit. Hinaus in die Welt will Lothar Riemer irgendwann wieder. „Das ist wie ein Fieber, wenn man erst einmal draußen war“, bezeichnet der Mann sein Fernweh.

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