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Mainzer Allgemeine Zeitung vom 19.05.2006:

Hinter der grünen Uniform

Texte voll Tod und Leben: Polizei-Poet Volker Uhl liest im "Polizeiladen"

von Kirsten Strasser

"Emils Weg in die Ewigkeit" dauert zwei Sekunden. Seine Kniegelenke brechen wie Salzstängel. Sie kleben bereits am Armaturenbrett, als die Lenksäule in seine Brust dringt - "wie eiin Finger in eine Semmel". Sein Kopf durchschlägt die Windschutzscheibe, wird wieder zurückgerissen. Dann Stille. "EinKumpel von mirhat die Geschichte gelesen", sagt Polizei-Poet Volker Uhl. "Seitdem schnallt er sich an." Die Erzählung von Emils Tod ist eine von 37 Kurzgeschichten in dem Buch "die erste Leiche vergisst man nicht". Herausgegeben hat es der Ludwigsburger Kriminalhauptkommissar Uhl, der jetzt im Mainzer Polizeiladen zu Gast war. Die erste Lesung im neuen Beratungszentrum der Polizei hätte nicht besser verlaufen können: Es waren spannende, erschütternde, einfühlsame Geschichten aus dem Polizeialltag, die von hoher schriftstellerischer Qualität zeugten. Ein schrecklicher Unfalltod. Ein Mann der seine Kinder jahrelang missbraucht hat und sich dann an der Enkelin vergeht. Die Mutter eines siebenjährigen Jungen, der die Nachricht vom Tod ihres Kindes überbracht werden muss. Der Erhängte. Der Mörder in der Tiefgarage. Der Tod und das Grauen: Jeder Polizist hat eine Geschichte darüber zu erzählen, und manch einer schreibt sie nieder. Vor vier Jahren rief Uhl das Internet-Projekt "Polizei-Poeten" ins Leben, das viele Polizisten dazu animierte, Erlebtes in Worte zu fassen. Daraus entstand "Die erste Leiche vergisst man nicht", das Ende 2005 auf den Markt kam. Was ist es, was das Buch so faszinierend macht? "Die Sprache ist beeindruckend - überhaupt nicht der typische Polizeijargon", sagt ein Besucher der lesung. Recht hat er. Die Texte sind weit mehr als bloße Schilderungen aus dem Polizeialltag. Polizisten kehren nicht den abgebrühten Bullen à la Schimanski raus - sie lassen das Visier herunter und zeigen, wer hinter der Uniform steckt. Menschen nämlich, die Angst haben, weinen, mit Opfern fühlen, im wahrsten Sinne erschüttert werden. Und immer wieder sind die Erzählungen zeugnisse großen Mutes. Volker Uhls zweites Buchprojekt ist schon in Arbeit, immer mehr Polizisten entdecken die Schreiberei für sich. Wer weiß, vielleicht ist dann auch ein Autor aus dem Mainzer Polizeipräsidium dabei. Denn auch hier passieren die Geschichten.

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