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Artikel im Weserkurier vom 02.09.2013:

Beamte schreiben, um ihre Erlebnisse zu verarbeiten

Wenn Polizisten zu Poeten werden

Von Gesa Wicke Bremen.Bremen. Selbstmord, Misshandlung, Vergewaltigung es sind oft dstere Themen, mit denen sich die Polizeipoeten in ihren Texten befassen. Die Bilder solcher Einstze trgt man oft wochenlang mit sich herum, sagt Michael Birkhan. Der Hauptkommissar aus Bremen-Nord ist seit ber 30 Jahren bei der Polizei. Seine beruflichen Erfahrungen verarbeitet er regelmig in Kurzgeschichten. Verffentlicht werden diese auf der Internetseite des Vereins und in Sammelbnden. Ich habe irgendwann gemerkt, wie gut das Schreiben tut, sagt Birkhan. Das ist wie ein Ventil, wie eine Art Therapie, die einem hilft, das Erlebte besser zu verarbeiten.

Schreiben, um Erlebtes besser zu verarbeiten aber auch, um der ffentlichkeit ein realistisches Bild vom eigenen Beruf zu vermitteln: Das ist das Ziel der Polizeipoeten. Gegrndet wurde der Verein vor ber zehn Jahren. Etwa 200 Polizisten zhlen bundesweit zu den Autoren, darunter auch die Bremer Michael Birkhan und Marcus Potyka. hnlich sieht das sein Kollege Marcus Potyka, Schutzpolizist und ebenfalls Autor des Vereins. Der Einsatz luft wie ein Film vor meinen Augen ab. Zwei Szenen wiederholen sich wechselseitig. Es sind die weit aufgerissenen, nach Hilfe suchenden Augen von Ali und die unbndige Trauer der Familie, heit es in seiner Erzhlung Machtlos. Offen und mit einfachen Worten berichtet Potyka darin von seinem bisher belastendsten Einsatz: Es ist eine frostige Novembernacht, als er und seine Kollegen zu einem Streit auf der Bremer Diskomeile gerufen werden. Ein Streit, der fr einen der beteiligten Mnner tdlich endet der 18-Jhrige verblutet in den Armen des jungen Polizisten Marcus Potyka. Der Vorfall hat mich lange beschftigt, sagt Potyka rckblickend. Vor allem, weil die Ereignisse der Nacht von Medien und ffentlichkeit breit diskutiert werden. Die Dinge aus meiner Sicht aufzuschreiben, hat mir geholfen, damit fertig zu werden, sagt der Polizist. Und auch, das eigene Handeln reflektierter zu sehen. Keinen Nobelpreis will er mit seinen Texten gewinnen, sagt er, stilistisch perfekt mssten sie deshalb nicht sein. Wichtig sei ihm vor allem, sich die Belastung von der Seele zu schreiben. Und es geht mir darum, der ffentlichkeit ein realistisches Bild der Polizeiarbeit zu vermitteln, sagt Potyka. Denn mit der Darstellung in Krimis und Fernsehserien hat unser Alltag oft wenig zu tun. Ein realistisches Bild des eigenen Berufes zu vermitteln, daran ist auch Michael Birkhan gelegen. Polizist zu werden, das war schon als kleiner Junge sein Traum: Menschen helfen, fr andere da sein, im Streitfall vermitteln und schlichten, das sei ihm schon immer ein Bedrfnis gewesen. Leider werden Polizisten in der ffentlichkeit oft nur als funktionierende Maschinen wahrgenommen, sagt er. Dass in der Uniform auch ein Mensch steckt, der Angst hat und Emotionen, das vergessen die meisten. Angst und Unsicherheit thematisiert der Hauptkommissar auch in seinen Geschichten. Polizisten sind ganz normale Menschen, mit Schwchen wie jeder andere auch, sagt er. Wenn ich mit Leid und Elend konfrontiert werde, berhrt mich das, es lsst mich nicht einfach kalt. Doch nicht nur Tragisches ist bei den Polizeipoeten zu finden. Auch lustige und skurrile Momente enthalten die Erzhlungen: Von misslungenen Einbrchen ist dort mitunter die Rede, von verrckten Trickdiebversuche oder entlaufenen Tieren. Vier Sammelbnde mit unterschiedlichsten Texten hat der Verein in den vergangenen Jahren verffentlicht erschienen sind sie allesamt im Piper-Verlag. Auch Lesungen oder Schreib-Workshops in ganz Deutschland bietet der Verein regelmig an. Fr Michael Birkhan und Marcus Potyka steht fest: Sie wollen auch in Zukunft weiter ber ihre Erfahrungen bei der Polizei berichten. Wer wei, vielleicht schreibe ich, wenn ich in Pension gehe, eine Art Einsatztagebuch, mit allen wichtigen Erlebnissen in meiner Laufbahn, sagt Marcus Potyka. Bis es so weit ist, wird es zwar noch eine Weile dauern. Doch Material fr sein geplantes Buch sammelt der Schutzpolizist schon heute. Mehr Infos zum Verein und zu den Bchern der Polizeipoeten unter www.polizei-poeten.de

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... Was ist Original? Alles was wir tun, alles was wir Denken existiert bereits und wir sind nur Vermittler. Das ist alles. Wir machen von dem Gebrauch was bereits in der Luft ist."
Henry Miller, aus einem Interview in den 60-iger Jahren
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